Streets of Rio

Tiago (THIAGO MARTINS) besucht mit seinem Vater ein Fußballspiel. Das riesige Maracana-Stadion ist ausverkauft, die Stimmung gigantisch, zumal Tiagos Mannschaft als Sieger vom Platz geht. Beim Verlassen des Stadions geschieht das Unfassbare, in aller Öffentlichkeit: Tiagos Vater wird von bewaffneten Männern angegriffen und kaltblütig erstochen – vor den Augen Tiagos! Schreiend rennt der Junge davon.

Fußball und Gewalt. Die zwei bestimmenden Dinge in der Favela vor den Toren Rios, in der Tiago aufwächst. Von Gewalt versucht er sich fernzuhalten, Fußball ist dagegen sein ganzer Lebensinhalt – und soll eines Tages der Schlüssel sein zu einem anderen, einem besseren Leben, fernab von Elend und Armut. Mittlerweile zum attraktiven jungen Mann gereift, scheinen Tiagos Träume zum Greifen nah. Keiner der Straßenspieler in seinem Viertel kickt eleganter und besser. Bei einem Nachwuchstraining will er die Scouts des großen Vereins von seinem Talent überzeugen. Nur noch drei Tage muss er bis dahin ausharren.

Dass Tiago zu Größerem bestimmt ist, hat sich längst herumgesprochen in seiner Favela. Tubaro (LUI MENDES), der mächtige und für seine Rücksichtslosigkeit bekannte Anführer der führenden Gang im Viertel, bietet an, Tiago unter die Arme zu greifen, für Lebensmittel und die dringend benötigten Medikamente für seine todkranke Mutter (SANDRA PERA) zu sorgen. Doch Tiago lehnt freundlich ab: Er will sich fernhalten von Typen wie Tubaro. Der ist durchaus beeindruckt davon, dass Tiago seinen Weg gehen will. Er wünscht ihm Glück und betont mit Nachdruck, dass Tiago seine Schulausbildung nicht vernachlässigen soll.

Damit stößt er jedoch auf taube Ohren bei dem jungen Mann. Seit Monaten schwänzt er die Schule, weil er keine freie Minute bis zum entscheidenden Training ohne Fußball verstreichen lassen will. Sein bester Freund Sabia (LUIS OTÁVIO FERNANDES) warnt Tiago davor, dass sein älterer Bruder Marcos (GABRIEL MATTAR), der täglich an den Docks rackert, um Geld für die Familie zu verdienen, davon nichts mitbekommen darf. Er hätte kein Verständnis dafür. Gemeinsam verlassen die Freunde die Favela, vorbei an schwer bewaffneten Jungs, um dem menschenleeren Maracana-Stadion einen Besuch abzustatten. Tiago stiehlt sich auf das Spielfeld und träumt von einer besseren Zukunft – und lässt sich auch von den Ordnern nicht ablenken, die er spielerisch austrickst. Man sieht sofort: Das kann ein ganz Großer werden.

Am Strand von Ipanema verdienen sich die Jungs ein paar Real, indem sie gegrillten Käse verkaufen, und erleben mit, wie Cocada (ARTHUR BISPO), ein kleiner Junge aus ihrer Favela, den Tiago in sein Herz geschlossen hat, Touristinnen die Handtaschen klaut. Bald schon, so sagt der kleine Kerl abends in seinem Viertel, nachdem Tiago vom entspannten Strandfußball zurückgekehrt ist, werde er Anführer einer Gang sein. Vorerst ist er aber ganz unten in der Nahrungskette: Ein paar ältere Jungs vermöbeln ihn und nehmen ihn aus. Cocada schwört Rache.

Zuhause kümmert sich Tiago am nächsten Tag um seine bettlägerige Mutter. Marcos findet, das sei nicht genug, er kümmere sich nicht ausreichend um ihre schäbige Hütte. Das Dach sei leck. Marcos gibt Tiago das nötige Geld, damit er Acryl zum abdichten kauft. Doch zunächst ist Tiago der Sport wichtiger: Während er in Rio wieder eine Runde Strandfußball spielt und dabei auf einen harten Widersacher trifft, den talentierten Bocao, versucht Sabia, die hübschen Mädchen am Strand zu beeindrucken – und verjuxt dabei Tiagos Geld, um einer von ihnen Ohrringe zu kaufen. Damit Tiago nicht mit leeren Händen nach Hause kommt, zückt Sabia eine Schusswaffe und überfällt vor den Augen des entsetzen Tiago den Handwerksladen und stiehlt das Acryl.

Der Schock sitzt tief bei Tiago: Genau aus solchen Dummheiten wollte er sich heraushalten. Und nun zieht ihn ausgerechnet sein bester Freund mit in den Abgrund – am Tag vor dem entscheidenden Training. Um neuen Mut zu schöpfen, lässt sich Tiago von dem blinden Jordao die Zukunft deuten. Doch als der Tag gekommen ist, hat Tiagos Mutter einen schweren Anfall. In seiner Not nimmt er Kontakt mit Tubaro auf, der sofort mit einem Arzt zu Hilfe eilt. Die Mutter kann gerettet werden, doch das Training ist bereits vorbei, als Tiago schließlich auf dem Sportplatz ankommt. Sein Strandfußball-Konkurrent Bocao hat nur Spott für ihn übrig, denn er konnte nicht nur nicht teilnehmen, Bacao wurde sogar ausgewählt, während Tiago seine Chance vertan hat. Für Tiago bricht die Welt zusammen. Wütend zertrümmert er die wenigen Besitztümer der Familie. Nach einem erbitterten Streit mit seinem Bruder, setzt ihn dieser vor die Tür: Tiago muss buchstäblich auf der Straße schlafen. Enttäuscht verabschiedet er sich von seiner Karriere und schießt seinen Ball weg. Fußball ist für ihn ebenso gestorben wie die Hoffnung auf ein Leben außerhalb der Favela.

Von Sabia, der mittlerweile als Drogenkurier arbeitet, lässt sich Tiago zu Tubaro bringen. Er bittet um einen Job in dessen Gang. Tubaro reagiert ungehalten: Er will nicht, dass Tiago sein Talent einfach so verschleudert. Statt dessen bietet er ihm seine Hilfe an. Tubaros Einfluss reicht weit über die Favela heraus: Also arrangiert er ein weiteres Probetraining, nur für Tiago. Tatsächlich kann er mit seinem Talent überzeugen und wird sogar für den Sturm ausgewählt, obwohl sein Konkurrent Bocao alles versucht um ihn zu stoppen. Sein Traum erfüllt sich: Auch wenn er immer noch auf der Straße lebt und am Strand schläft, das Tor aus der Favela scheint sich doch noch für ihn zu öffnen. Und nicht nur das: Tiago sieht Tubaros wunderschöne Schwester Juliana (NAIMA SANTOS) und ist hin und weg. Auch für sie hat Tubaro ein besseres Leben vorgesehen. Er liebt sie über alles und sorgt dafür, dass niemand ihr etwas antun kann. Als sie von ihrem Vorgesetzten angemacht wird, nimmt er sich den Typen auf brutalste Weise vor und lässt ihn dann von seiner rechten Hand Rato (PATUKINHA) beseitigen.

Tiago erschreckt die Gewalt, aber er kann Tubaro nicht den Rücken zudrehen, nicht nach all dem, was er für ihn getan hat. Und weil er Julianas Bruder ist und Tiago dadurch Juliana nah sein kann – auch wenn Tubaro eine Beziehung zwischen den Beiden niemals zulassen würde. Und doch weiß Tiago, dass der Gangboss sein Schicksal bedeuten wird. Als Tubaro ausgerechnet Sabia den Auftrag zu einem Mord gibt, muss Tiago entscheiden, ob er einen radikalen Schlussstrich zieht oder ob er der Junge sein will, der zwar Gold in den Füßen hat, aber an dessen Händen Blut klebt...