Bericht über eine Fahrt nach Budapest und in die Puszta vom 7.- 11. 7. 2000

Für einen Besuch der Stadt Budapest flog die Gruppe mit 46 Teilnehmern am 7.7.2000 um ca. 10.15 Uhr mit der Malev, der ungarischen Fluggesellschaft, vom Flughafen Tegel ab. Anläßlich der Reise und zu diesem Bericht gab es viele tolle Tipps und zusätzliche Informationen unseres Freundes Bernhard Lemm.


Offizielle Malev-Darstellung im Internet

Die Flugnummer MA 671 nach Budapest hatte erst einmal ½ Stunde Verspätung. Als wir dann nach ca. 1.10 Stunde in Budapest-Ferihegy ankamen, umgab uns eine Temperatur wie in Rio de Janeiro. Es war sehr heiß und schwül. Wir fuhren mit dem Bus zum 5-Sterne-Hotel Hyatt, direkt an der Kettenbrücke (Széchenyi Lánchid), also direkt an der Donau. Die Kettenbrücke ist nach István Graf Széchenyi benannt. Er hatte nicht nur die Idee einer ersten festen Brücke zwischen Pest und Buda, sondern sein Werk war auch die Organisation des Baus. In den ersten 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts orderte er als Präsident des Verkehrskommitees die Baumaterialien aus den verschiendsten Ländern. Außerdem plante er den Bau des Tunnels unter dem Burgberg und eine Eisenbahnverbindung von Pest und Fiume (heute Rijeka). Im Jahre 1842 erfolgte die Grundsteinlegung und am 20.November 1849 die Eröffnung der Brücke. Sie ist 380m lang, die Pfeilertore sind 6,50m breit und das Gewicht der Eisenkonstruktion betrug 2000t. Der Bildhauer der Löwen an den Brückenköpfen beging angeblich Selbstmord, weil er in den Mäulern der Tiere die Zunge vergessen hatte. Budapest hat 2 Mio. Einwohner. Dies sind 20% der ungarischen Gesamtbevölkerung.

Széchenyi Lánchid

Kettenbrücke (Széchenyi Lánchid)

Das Hyatt Regency Hotel bietet Komfort auf höchster Ebene. Beim Betreten der Hotelhalle empfing uns ein weites, helles und großzügig angelegtes Atrium mit vielen tausenden Grünpflanzen. Das Hotel verbindet Luxus mit der weltbekannten ungarischen Gastfreundschaft. Die Zimmer sind elegant und komfortabel ausgestattet und die meisten haben den Blick auf das Panorama der Kettenbrücke und die Budaer Burg. Die technische Ausstattung der Zimmer ist modern. In der privaten Atmosphäre des Hyatt Regency Clubs in der 8. Etage finden besonders anspruchsvolle Gäste - wie ein Teil unserer Gruppe - ein Höchstmaß an aufmerksamem Service, ohne dabei auf die Vorteile und Einrichtungen eines modernen Luxushotels verzichten zu müssen. Das Hotel hat 353 Gästezimmer einschließlich 23 Suiten. Die üblichen Preise für eine Übernachtung im Einzelzimmer liegen bei 420.- DM und für das Doppelzimmer 470.- DM. Für das reichhaltige Frühstücksbufett kommen noch 30.- DM dazu. Das Hotel hat auch Konferenz- und Tagungsräume mit moderner audiovisueller Ausstattung und eine Simultan-Dolmetscheranlage für 6 Sprachen. Der Club Olympus bietet alles gegen den Stress. Massagen, Sauna, Schwimmbad - alles wird angeboten. Nach der Zimmerverteilung gab es schon die ersten „Ausflüge“, die Geldtauschen, Karten- und Briefmarkenkauf beinhalteten. Gleich im Anschluss daran machten wir dann von 14.30 - 17.30 Uhr mit Adrienne eine wunderschöne Stadtrundfahrt mit dem Bus.

Die Stadtrundfahrt begann am Hotel Hyatt und führte uns als erstes zur Innerstädtischen Pfarrkirche. Dann an der Ev.-Luth. Kirche vorbei, der Synagoge und dem Jüdischen Museum. Dann kamen wir am Keleti-Bahnhof entlang und an der Kunsthalle. Als nächstes sahen wir den Heldenplatz.


Auf dem Heldenplatz
Der Heldenplatz wurde von Albert Schickedanz und dem Bildhauer György Zala konzipiert und der Bevölkerung 1896 anlässlich der großen Milleniumsfeiern zum tausendjährigen Bestehen Ungarns mit anderen Bauwerken der Stadt zusammen übergeben. Der Platz ist eine große freie, mit Steinplatten gepflasterte Fläche mit vielen Monumenten: z.B. zwei halbkreisförmigen Kolonadenreihen mit den Figuren von Königen - insbesondere Stephan der Heilige - und Fürsten und dem 1896 verstorbenen Revolutionsführer Lajos Kossuth, dessen Figur erst 1929 beendet wurde. Auf einer Säule ist die Statue des Erzengels Gabriel zu sehen, um deren Fuß ist das große Milleniumsdenkmal der Landnahme angeordnet. Es besteht aus einer Gruppe von sieben Reiterstatuen, die die Stammesführer der Magyaren bei ihrem Einzug ins Karpatenbecken unter Führung von Árpád darstellen. Vor diesem Monument befindet sich das „Grabmal des Unbekannten Soldaten“.

Nächste Punkte auf der Stadtrundfahrt-Route waren der Hauptstädtische Tier- und Pflanzengarten, das Museum für Bildende Künste und die Ungarische Staatsoper. Sie ist ein architektonisches Hauptwerk von Miklós Ybl. Es wurde zwischen 1875 und 1884 gebaut. Inzwischen wurde es innen und außen vollständig instandgesetzt und hält jetzt als Neorenaissancebau auch wieder dem Vergleich mit anderen europäischen Theaterbauten - wie der Pariser Oper - stand. Innen befinden sich elegante Fresken; Marmortreppen und Kreuzgewölbe ergänzen alles. Statuen berühmter Komponisten und gemalte Opernszenen und Darstellungen aus der griechischen Mythologie sind auch vorhanden. Eine Büste des Meisters Ybl im Treppenaufgang stammt von Alajos Stróbl.

Weiter ging es zur Stephansbasilika. Sie wurde 1851 begonnen und nach mehrfach veränderten Plänen erst 1905 beendet. 1868, kurz nach dem Tod des ersten Architekten Jószef Hild, stürzte wegen „Pfusch am Bau“ die riesige Kuppel ein. Der zweite Architekt war der schon erwähnte Miklós Ybl. Aber auch ihn überdauerte das Projekt. Am 20.5.1940 wurde eine Glocke, vermutlich um das Metall zur Waffenherstellung zu verwenden, zu Kriegszwecken demontiert und verschleppt. Die jetzt im Laufe der Renovierung eingebaute neue Glocke aus dem Jahre 1990 wurde zum Dank für die Rolle Ungarns bei der Flucht von DDR-Bürgern von einer Gruppe von Bürgern der Stadt Passau gestiftet. Auch aus Passau stammte die Prinzessin Gisella, die vor knapp 1000 Jahren den ersten Ungarnkönig Stephan heiratete. Ihm war die vorherige Glocke gewidmet gewesen. Eine weiße Marmorstatue des Königs und Heiligen Stephan steht auf dem in rotem Marmor ausgeführten Hauptaltar der Basilika. Die Reliquie des hl. Stephan, eine Hand des ersten Ungarnkönigs, wird in einer der Kapellen in einem vergoldeten Schrein aufbewahrt.

Es folgte das Ethnographische Museum und über die Margaretenbrücke ging es dann über die Donau nach Buda. Die Brücke wurde zwischen 1872 und 1876 nach den Plänen des französischen Ingenieurs Ernest Gouin am Südzipfel der Margareteninsel erbaut. Hier teilt sich die Donau in zwei Arme. Die Brücke ist 637,5 m lang und 25 m breit. An der Margareteninsel treffen die beiden Brückenhälften in einem Winkel von 150 Grad zusammen, damit die Brückenpfeiler jeweils senkrecht zur Strömung stehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke wiederaufgebaut und gleich verbreitert. Nur ein Linienbus darf von der Brücke aus auf die Margareteninsel abbiegen.

In Buda sahen wir zuerst das Király-Heilbad und die Fischerbastei. Sie wurde zwischen 1890 und 1905 gebaut. Der Name stammt daher, dass im Mittelalter die Zunft der Fischer diesen Abschnitt der Burgmauer verteidigen musste, wenn es am Burgberg kriegerisch zur Sache ging. Wegen der etwas als „künstlich“ zu empfindenden Fischerbastei findet man den Bereich hier einschließlich der Matthiaskirche ein wenig operettenhaft. Die Bauten haben mit den überladenen Erkertürmchen und anderen Einzelheiten so ein wenig etwas von Disney World. Die kirmesartige Anordnung der Andenkenstände und dergleichen tragen insgesamt zu diesem Anblick bei. Der Platz ist völlig unabhängig davon bei Einwohnern und Gästen zu Recht beliebt. Das Burgviertel insgesamt wird noch im Folgenden beschrieben. Beeindruckend war auch der Turm der Maria-Magdalenen-Kirche. Dies ist ein Rest der Franziskanerkirche aus dem 13. Jahrhundert, die dem ungarischen Teil der Bevölkerung zugeordnet wurde. Die deutschen Bürger gingen dagegen in die Liebfrauenkirche, der späteren Matthiaskirche. Unter der türkischen Besatzung teilten sich die auf dem Burgberg noch verbliebenen Christen die Maria-Magdalenen-Kirche: die Katholiken waren im Chor, die Protestanten im Kirchenschiff. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schiff der Kirche völlig zerstört und man verzichtete auf einen Wiederaufbau. Nur ein einzelnes Fenster des Chores wurde rekonstruiert. Der Platz ist mit seiner Stille und Weite einer der schönsten auf dem Burgberg. Wir sahen noch das Kriegshistorische Museum und zum Abschluss die Citadelle. Dies ist eine Festung, die der damals noch nicht als ungarischer König gekrönte, den Freiheitskampf der Ungarn niederschlagende österreichische Kaiser Franz Josef Anfang 1850 erbauen ließ, um von hier oben aus mit seinen Kanonen die rebellische Stadt in Schach zu halten. Heute ist dieser Teil ein Ausflugsort.

Um 18.40 Uhr ging es dann nach einer Erfrischungspause mit der Straßenbahn Nr. 2 die Donau entlang bis zur Freiheitsbrücke. Über die Donaubrücke hinweg gingen wir dann in ein typisches Restaurant (Étterem), wo es typisch ungarisches Essen bei Zigeunermusik gab. Wir fühlten uns alle sehr wohl. Als wir dann gegen 22.00 Uhr gehen wollten, gab es die erste Begrüßung durch den Regen, aber wir kamen mit der Straßenbahn noch recht gut ins Hotel. Nachts gab es dann allerdings ein recht ordentliches Gewitter.

Am nächsten Tag standen einige schon um 5.00 Uhr auf und gingen zu Fuß durch die Fußgängerzone „Váci utca“ zur zentralen Markthalle.


Große Markthalle

Váci utca

Sie wurde mit anderen Markthallen und Bauwerken anlässlich der Jahrtausendfeier im Jubiläumsjahr 1896 nach den Plänen von Samu Pecz gebaut. Nach dreijähriger Renovierungsarbeit wurde die Halle 1994 wiedereröffnet. Erst danach wurde klar, dass die Halle auch von außen her sehr schön aussieht. Die cremeweiß und blassrot gemusterten Außenwände und die grün-gelb-roten Majolikadächer und die bizarren gelben Fensterumrahmungen aus gelber Keramik um die kleinen Dachfenster kamen so wieder richtig zur Geltung. Die innere Eisenkonstruktion sieht federleicht aus und gibt einen guten Blick auf das bunte Markttreiben frei, das bei unserem Besuch (um ca. 6.00 Uhr) gerade erst begann. Früher konnten die Schiffe von der Donau über einen unterirdischen Kanal die Markthalle direkt anlaufen. Die heutigen Schiffe sind allerdings hierfür zu groß und der Kanal wird daher nicht mehr genutzt. Die Halle ist 150 m lang und 80 m breit und hat eine Grundfläche von ungefähr 10000m2. Die untere Ebene bietet so ziemlich alles an, was man von einem großen südlichen Lebensmittelmarkt erwarten kann: Obst, Gemüse, Blumen, Gewürze, Pilze, Zwiebeln und vieles andere mehr. Die obere Etage ist angelegt in Form von Galerien. Hier befinden sich Restaurants, Folkloregeschäfte und ähnliches. Der Keller bietet Geschäfte mit Süßigkeiten, einen Supermarkt, ein Frühstückscafé und die besondere Attraktion der ganzen Halle: die Fischläden mit den großen Aquarien, voll mit lebenden Fischen und Bottichen und Gläsern voller sauer eingelegter Gemüsesorten. Nach dem Markthallenbesuch waren wir um 7.15 Uhr rechtzeitig zum reichhaltigen Frühstücksbufett im Hotel zurück.

Anschließend ging es mit dem Schiff „Czardás“ auf der Donau (ca. 1 ½ Stunden) in Richtung auf die sehr schöne Kleinstadt Szentendre (St. Andreas). An diesem Ort, der als "Sanctus Andreas" 1146 mit seiner Kirche erstmalig urkundlich erwähnt wurde, siedelten bereits Illyrer, Kelten, Langobarden, Awaren und Römer.


Serbische Kirche in Szentendre
Hier hatten wir 2 Stunden Zeit, diese Stadt zu besichtigen. Die Stadt ist kaum größer als ein Dorf. Man ist mit dem Bus nach dort ca. ½ Stunde unterwegs. Wir hatten aber den viel schöneren Weg über die Donau. Szentendre hat nicht nur schöne Museen, es erscheint auch selbst fast wie ein Museum. Die ursprüngliche Siedlung geht auf das 11. Jahrhundert zurück. Die Stadt hat ihren Namen nach dem Schutzpatron der ersten Kirche, St. Andreas. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt königlicher Besitz und erhielt Privilegien. Die 150 Jahre türkischer Beherrschung führten zu fast völliger Entvölkerung. Mit dieser Situation ist aber auch die Zeit für einen Neubeginn verbunden. Die siegreichen christlichen Heere in Buda brachen zur Befreiung der Südgegenden auf und die unter der Herrschaft der Türken leidenden Serben empfingen die Befreier freudig. 1690 änderte sich die Situation: das Kriegsglück hatte sich wieder gewendet. Die Serben flüchteten vor der Rache der Moslems mit mehr als viertausend Familien nach Ungarn. Nach Personen gerechnet waren es jedoch Hunderttausende. Die früher schon einmal serbische Stadt Tabán erhielt nun wieder neue Bewohner. Die Serben bauten sich Kirchen und zogen in die zu Zeiten der Türken entvölkerten ungarischen Städte und Dörfer. Nach Szentendre kamen sechstausend. Sie hofften, dass sie in kurzer Zeit wieder nach Haus können. Etwas später stellte sich dann heraus, dass hier doch ihre neue endgültige Heimat sein sollte. Dadurch, dass die Stadt an der Donau liegt, wurde eine Stadt mit reichen Händlern und Industriellen daraus. Das 18.Jahrhundert ist das goldene Zeitalter. Aber danach beginnt der Verfall; alle positiven Entwicklungen stocken. Die Dynamik der Bevölkerung ist gebrochen. Da für neue Bauten kein Geld vorhanden war, kann man sagen, dass Szentendre geblieben ist wie zu Anfang des 19. Jahrhunderts oder noch früher. Zu heutiger Zeit wurde die Stadt dann von den Künstlern entdeckt. Maler und Bildhauer sind hier zu Haus und geben der Stadt ihr neues Gepräge. Der serbischen Kirche Angyali Üdvözlet gegenüber führt eine schmale Gasse zum höchsten Punkt des Stadtkernes. Hier befindet sich die Pfarrkirche der Stadt. Sie ist Johannes dem Täufer gewidmet. Sie wurde in den alten Mauern der früheren Kirche des Heiligen Andreas im 18. Jahrhundert erneut gebaut. Die Einrichtungen, die Altäre stammen aus den Jahren um 1700. Bei der Rückfahrt mit dem Schiff gab es dann ein sehr schmackhaftes Essen.

Es gab ein wenig Zeit zum Ausruhen im Hotel und dann ging es zum wunderschönen Vidagó-Konzertsaal.

Hier erlebten wir ein beeindruckendes Operettenkonzert mit bekannten Liedern und Tänzen von Lehár, Kálmán, Strauss und anderen. Es war ein wunderschöner Abend. Das Konzert- und Festgebäude des Vidagó, das auch mit Redoute oder Ballhaus übersetzt wird, wurde in den Jahren 1858 - 1865 gebaut. Es lässt aufgrund seiner Sternenfenster ein wenig an eine Synagoge denken. Der Vidagó-Konzertsaal Architekt Frigyes Feszl hatte damals tatsächlich die Ausschreibung zur großen Budapester Synagoge gewonnen, durfte sie dann aber doch nicht bauen. Folglich versuchte er, seine Vorstellungen beim Bau des Vidagó zu verwirklichen. Man nennt diesen Baustil auch Romantischen Feszl-Baustil.

 


Seilbahn
Der programmfreie Sonntag wurde trotz Regen auch zu fleißigen Besichtigungen genutzt. Mit der Seilbahn wurde das Burgvierteil „erobert“. Dieser Stadtteil, der vom Szent György tér bis zum Wiener Tor geht, nimmt etwa zwei Drittel des Burgberges ein.

Die Burg mit Kettenbrücke

An der schmalsten Stelle ist das Burgviertel ca. 100 m breit und an der breitesten, nahe dem nördlichen Ende etwa 300 m. Es gibt hier zwischen anderen europäischen Stadtkernen und dem Budaer Burgviertel einen gravierenden Unterschied: Durch die Türkenkriege wurde hier alles so verwüstet, dass von der gotischen Stadt kein einziges Bauwerk mehr auch nur halbwegs erhalten geblieben ist. So sind vor allem nur die Häuser vorhanden, die im 18. Jahrhundert im ungarischen Barock erbaut wurden. Die Grundmauern der mittelalterlichen Bauwerke wurden an vielen Stellen mit einbezogen.

Eine weitere Zerstörung des Burgviertels ergab sich im Winter 1944/45, als die deutschen Truppen hier von der Roten Armee eingeschlossen waren. Beide Seiten lieferten sich lange Zeit schwere Artilleriegefechte und erreichten damit, dass weitere Zerstörungen eintraten. Andererseits kamen dabei aber auch viele mittelalterliche Grundmauern wieder zum Vorschein. Danach wurde bei noch anhaltendem Regen bei einem weiteren Matthiaskirche Stadtbesuch ein Weg durch die Cafés Gerbaud, New York und Pelé gemacht. Hier versuchten wir uns an der berühmten Eszterhazytorte. Das Abendessen gab es im Restaurant „Apostolok“. Es war beeindruckend. Das Restaurant ist dekoriert mit Gemälden der Städte, die seit dem Friedensdiktat von Trianon 1918, bei dem Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebietes an umliegende Länder verlor, nicht mehr zu Ungarn gehören. Den Weg zum Hotel wählten wir - nun ohne Regen - durch die Fußgängerzone Váci utca.

Der nächste Tag führte uns mit dem Bus zum Plattensee (Balaton) und in die Puszta. Über die Autobahn ging es zum Meer der Ungarn, dem Plattensee. Wir besuchten Balatonfüred, das älteste Kurbad und wir gingen auch zu den Heilquellen, wo wir Wasser gegen Herz- und Kreislaufprobleme und gegen Magen- und Darmprobleme entnahmen. Nun sind wir sicher für die Zukunft alle kerngesund. Wir fuhren weiter zur Halbinsel Tihany mit der Abtei aus dem Jahr 1051. Von hier aus hatten wir einen herrlichen Rundblick. In einer alten Czárda bekamen wir eine besondere Balaton-Spezialität: schmackhaftes, zartes Fogas-Filet (Zander). Mit der Fähre ging es dann über den Balaton, wir fuhren durch das leicht hügelige, grüne Pannonien und erreichten hinter Dunaföldvar die Puszta. Hier beginnt das Land der Legenden. In der Köncsögpuszta-Tanya wurden wir zünftig begrüßt. Es gab ein beeindruckendes Pferde-Show-Programm mit den Wettbewerben der Cikós (Hirten). Nach einer schönen Kutschfahrt durch die Puszta gab es dann echtes Pusztaessen. Es gab „Gulyasch satt“. Und keiner musste mehr Hunger leiden. Dann fuhren wir nach Budapest zurück. Den Abschluss bildete dann hier im Dunkeln der Ausblick von der Citadelle. Die Lichter der Stadt waren schon beeindruckend. Auch die Brücken - insbesondere „unsere“ Kettenbrücke - waren beleuchtet.


Blick von der Citadelle bei Nacht


Große Synagoge

Der letzte Tag stand dann - wieder bei Regen- zur freien Verfügung. Einige besichtigten die Synagoge und das Parlament. Die „Große Synagoge“ wurde von Ludwig Förster in der Zeit von 1854 - 59 erbaut. Man kann sie besichtigen. Männer betreten die Synagoge durch den Mittelgang und setzen eine schwarze Kappe, die Kippa, auf. Frauen betreten den Raum durch einen Seiteneingang und verbleiben im Seitenschiff. Ein schöner ruhiger Ritualraum mit zwei sehr breiten, über die ganze Länge des Saals reichenden flachen Holzemporen auf dünnen eisernen Säulen. Die Innenausstattung wurde durch Frigyes Feszl, dem Architekten des Vidagó, entworfen. Tony Curtis, amerikanischer Schauspieler ungarisch-jüdischer Abstammung, hat vor einigen Jahren eine Stiftung ins Leben gerufen, mit deren Hilfe die Große Budapester Synagoge instand gesetzt wurde.

Danach versuchten wir einen Besuch im Parlamentsgebäude zu machen. Diese Besichtigung ist jedoch mit Gruppen nur wochentags nach vorheriger Anmeldung möglich. Da wir eine solche Anmeldung nicht hatten, ging uns dieses leider verloren.

 

Das Parlament ist Sitz der Nationalversammlung, des Präsidialrats und der Regierung. 1885 wurde es nach den Plänen des Architekten Imre Steindl (1838 - 1902) gebaut. Mit der Realisierung seiner Pläne waren damals rund 17 Jahre lang etwa 1000 Menschen beschäftigt. Man sagt, dass die Baukosten gereicht hätten, eine Stadt mit ca. 60000 Häusern zu errichten. Statt dessen entstand ein Gebäude, das sich trotz der gewaltigen Ausmaße von 118m Breite und 268m Länge mit Anmut und Eleganz als Symbol der Hauptstadt präsentiert. Von stürmischen Zeiten, Revolutionen, Kriegen völlig unberührt, schauen die Statuen von 88 ungarischen Führern, Fürsten und Herrschern, mit denen die Außenmauern des Parlaments geschmückt sind, auf das dahinziehende Wasser der Donau. Zwei steinerne Löwen bewachen den Aufgang zum Zentrum des Gebäudes, dem 96m hohen Kuppelsaal. Hier finden Veranstaltungen und Festakte statt, bei denen zum Beispiel staatliche Auszeichnungen verliehen werden. Es gibt auch die Möglichkeit, das Museum zu besichtigen.

Den Abschluss bildete dann die Rückfahrt mit dem Bus zum Flughafen. Dort ging der Flug mit der Flugnummer MA (Malev) 672 um 18.45 Uhr ab in Richtung Berlin Tegel, wo wir um ca. 19.45 Uhr ankamen. Um ca. 20.30 Uhr war dann diese Reise zu Ende.

 

Klaus R. C.Ciesielski 13.07.2000