Tränenreicher Abschied des "schwarzen Bären"
FUSSBALL Julio Cesar verabschiedet sich von der Fußballbühne Brasilianische Rhythmen verzaubern frierende Anhänger - Maradona sagt ab
Von Michael Knippenkötter
DORTMUND · "Du kamst als Fremder und gingst als Freund - als Borusse." Die Fans des BVB bereiteten ihrem "schwarzen Bären" Julio Cesar gestern Abend ein unvergessliches Wiedersehen und standen bei dessem endgültigen Abschied vom Profifußball wie eh und je hinter dem brasilianischen Ausnahme-Kicker. Mit der Champions-League-Gewinner-Elf von 1997 trat der 42-Jährige zunächst gegen seine eigens zusammengestellte Mannschaft aus Freunden und Weggefährten an, ehe er vor 35 000 Zuschauern in der Pause das Trikot wechselte und mit Carlos Dunga, Careca und Co. den 2:0-Halbzeitstand auf 5:2 für seine Auswahl ausbaute. Die Treffer von Ailton (9.) und Andreas Herzog (45.) glichen René Schneider (47.) und Heiko Herrlich (53.) aus, ehe Giovane Elber (70.), Bernardi (72.) und Roger Milla (79.) mit einem schönem Heber inklusive Eckfahnen-Tanz für die Schlusspunkte sorgten.
Die einzige Enttäuschung gestern Abend war die Absage von Diego Maradona, der noch vor wenigen Tagen großmundig sein Erscheinen angekündigt hatte. Laut WDR haperte es letztlich an einer erhöhten finanziellen Forderung des Argentiniers, die auch die Produzenten der Reinhold-Beckmann-Show, an der der 45-Jährige ursprünglich heute Abend teilnehmen sollte, nicht erfüllen wollten. "Julio war nach dieser Nachricht sehr traurig. Maradona hat sich nicht vernünftig abgemeldet. Das macht man nicht, und das enttäuscht uns schon sehr", erklärte Stadionsprecher Norbert Dickel kurz vor der Vorstellung aller Akteure des gestrigen Abends.
Der Stimmung in der schwarz-gelben Wand auf einer gut besetzten Südtribüne schadete diese Botschaft nicht. Angeheizt von rund 25 knapp bekleideten brasilianischen Tänzerinnen feierten sie ihre Helden der 90er Jahre, allen voran den athletischen Abwehrrecken Cesar, der mit 80 Bundesligaspielen für den Revierclub gehörigen Anteil vergangener Erfolge hat. Dicke Tränen flossen dem Brasilianer nach seiner Auswechslung und dem damit verbundenen Schlusspfiff in der 80. Minute über die Wangen, als er sich mit seinen Freunden auf die Ehrenrunde durch seine ehemalige Fußballheimstätte machte. "Ich danke allen, die heute hier mit mir gespielt haben. Fünf Jahre habe ich für Dortmund auflaufen dürfen, fünf Jahre mit Herz und Leidenschaft. Danke dafür."
Viele Tränen und etliche Ehrenrunden später konzentrierten sich die Stars schließlich auf den gemütlichen Teil des Abends. "Julio war einer der weltbesten Verteidiger, aber er konnte auch richtig gut feiern. Ich denke, das wird noch eine lange Nacht in Dortmund", versprach Andreas Möller und war sichtlich froh, wieder einmal in Dortmund gewesen zu sein. "Auch wenn mich die Fans nicht ganz so herzlich begrüßt haben - ich hatte eine Superzeit in Dortmund und bin immer wieder gerne hier."
Immer wieder gern bei seinen Freunden aus Brasilien ist auch Giovane Elber. Der Gladbacher fand nach seiner langen verletzungsbedingten Pause die Spielfreude zurück und bewegte sich in einer zum Teil an Alt-Herren-Fußball erinnernden Partie sehr gut. "Das wichtigste war doch sowieso, dass wir nicht verlieren", lachte er anschließend.




