Deutschlands Gegner im Porträt
Brasilien denkt nur an Argentinien
Das Spiel gegen Argentinien ist für die brasilianische Handball-Nationalmannschaft bei der WM in Deutschland die wichtigste Partie. Schließlich geht es gegen den Erzrivalen.
Im vergangenen Jahr gewannen die Grün-Gelben erstmals die prestigeträchtige Panamerika-Meisterschaft, qualifizierten sich durch einen 28:23- Erfolg über Argentinien für die WM und lösten die "Gauchos" nach drei Titelgewinnen in Folge ab.
Dass sie gegen Polen oder gar Deutschland eine Überraschung schaffen können, glauben die Brasilianer selbst nicht. Zum WM-Auftakt am Freitag (19.01.07) gegen den Gastgeber in Berlin wäre deshalb alles andere als eine deutliche Niederlage schon ein Erfolg.
Manoel Luiz Oliveira, Präsident des brasilianischen Verbandes, wünscht sich angesichts der schwierigen Ausgangsposition nur eine "Verbesserung gegenüber der WM 2005". Sechs Mal nahmen die Brasilianer an WM-Endrunden teil. 1999 holten sie mit Rang 16 ihre beste Platzierung und wurden vor zwei Jahren in Tunesien - nach einem 23:30 gegen das Team von Bundestrainer Heiner Brand in der Vorrunde - nur 19. von 20 Startern.
Das Ziel heißt Peking
Doch Nationaltrainer Jordi Ribera denkt nicht über die Vorrunde hinaus. "Zunächst der WM-Gastgeber, dann das aufstrebende Team aus Polen und zum Schluss gegen unseren Erzrivalen Argentinien - da wäre ein Weiterkommen ein Erfolg", sagte der Spanier, der 1995 als Coach des iberischen Klubs BM Galdar im europäischen City-Cup-Finale dem deutschen Vertreter TV Niederwürzbach unterlag.
Der 43-Jährige sieht die WM sowieso nur als Durchgangsstation. "Wir wollen sehen, ob wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Ribera und blickt voller Spannung einer weiteren Herausforderung entgegen: Ende Juli will er mit den Gastgebern der Pan-Amerikanischen Spiele in Rio de Janeiro als Turniersieger das Ticket für Olympia 2008 in Peking lösen.
Rechtsaußen spielt bei Wilhelmshaven
Selecao-Star Bruno Souza vom Bundesligisten Hamburger SV ist bei der WM nicht dabei, sein Liga-Kollege Renato Tupan Ruy ist somit einziger "Ausländer" im Kader. Und ein gefragter Mann. "Die deutsche Presse will von mir alles über uns wissen", berichtet der 27 Jahre alte Rechtsaußen vom Wilhelmshavener HV, der sich mit dem Wechsel ins deutsche Handball-Oberhaus "einen Traum erfüllt" hat.
Das Gros des WM-Teams stellt Metodista Sao Bernardo de Campo, das sich im Dezember bei der zehnten Meisterschaftsauflage zum achten Mal den Titel sicherte. Einzig in der zehn Teams umfassenden Liga Petrobras, die wie das Nationalteam von der staatseigenen Ölfirma gesponsert wird, geht es professionell zu.
"Handball ist in Brasilien vor allem Schulsport. Wir würden nach Peking aber gerne zu den drei wichtigsten Olympia-Sportarten im Land gehören", verriet Oliveira und fügte hinzu: "Fußball zählt dabei nicht mit, denn der ist hier eine Religion."
sid/dpa | Stand: 16.01.2007, 13:22 Uhr




