Moin Leute,
wie der eine oder andere vielleicht weis habe ich habe auch ein Jahr im Süden von Brasilien gelebt. Ich möchte nun auch mal meinen Senf dazu abgeben. Vieles von dem negativen was Hazla anführt ist kann ich auch für den Süden Brasiliens bestätigen, zwar nicht so extrem und ist es eben keine Forromusik sondern Gauchomusik. Doch das wusste ich schon aus meinen vorherigen Urlauben und war auch bereit mich in dieser Richtung anzupassen.
Was ich aber an Ignoranz und Egoismus der Brasilianer dort erlebt habe sprengte das eine oder andere mal schon mein Vorstellungsvermögen. Aber das alles war nicht der Grund warum wir unseren Rückzug nach Deutschland angetreten haben.
Was mich immer besonders gestört hat war das wir uns selbst kaserniert haben, egal ob wir in einem Vorort oder im Centum von dem „ach so schönen Curitiba“ gelebt haben, es war fast nie möglich nach Einbruch der Dunkelheit das Haus gefahrlos zu verlassen.Durch diesen Umstand hatte wir kaum eine Chance uns zu frei und ungezwungen bewegen zu können und zu integrieren.
Alles spielte sich abends zu Hause ab und wenn dann sind wir nur mit dem Taxi ins Restaurant oder zur Familie gefahren. Selbst das ist aber nicht ungefährlich. Wir sind einmal mitten in der Nacht kaum vom Flughafen Curitiba in das Centrum gekommen, es war nämlich kaum ein Taxifahrer bereit der Überfälle wegen ins Centrum zu fahren....
Die Arbeitssuche war auch mehr als erfolglos, auf keine meiner zig Bewerbungen habe ich auch je eine Antwort bekommen. Wir wurde sogar zwei mal bei einer persönlichen Vorstellung gesagt das ich zwar sehr gute Referenzen habe, Brasilien aber selbst genug Arbeitslose hat die es einzustellen gilt.
Ein Brasilianer meinte mal zu mir: was machst du hier? ich: versuche hier zu leben und zu arbeiten, er: bist du verrückt, ich bereite gerade meinen Umzug nach Italien vor, wenn ein Durchschnittsbrasilianer die Chance bekommt nach Europa zu gehen nutzt er sie sofort!
Zum Glück hatte ich mein Geld da gelassen wo es sicher war (auf einem deutschen Tagesgeldkonto) und habe mich nicht hinreissen lassen in das Abenteuer „Selbstständigkeit in Brasilien“ zu investieren.
Ich habe auch den einen oder anderen Deutschen in dieser Zeit kennen gelernt, hatte aber das Gefühl das sich kaum einer richtig in Brasilien integriert hat. Der eine beschäftigt sich nur mit seinen Hunden oder hockt zu Hause vor dem Rechner und macht keine Anstalten portugiesisch zu lernen, einer kennt nur das Internet oder ein anderer versucht sich in seine deutsche Enklarve zu flüchten und träumt.
Wenn ich mich als Deutscher richtig in Brasilien integriere, sprich arbeite und mir einen Freundeskreis aufbaue, dann habe ich weder Zeit noch Lust mich ständig in diversen Foren aufzuhalten und Poweruser zu sein.
So sind wir nun wieder in Deutschland und nutzen unsere europäischen Freiheiten.
Wenn die Saudade mal zu gross wird geht’s ins Succo do Brasil nach Düsseldorf oder fahre als (Dauer)Urlauber nach Bahia.
Grüsse, der Jürgen



63Danke
. es ist in brasilien mindest gleichschwer wie in europa etwas eigenständiges auf die beine zu stellen. zusätzlich kommen da aber noch prämisen wie sprachkenntnisse, mentalität etc.
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