Umstrittener Film siegt
Goldener Bär für Brasilianer
Der Goldene Bär der 58. Berliner Filmfestspiele geht an den brasilianischen Wettbewerbsbeitrag "Tropa De Elite" (Elite-Einheit). Das teilte die Berlinale-Jury unter Vorsitz des griechischen Regisseurs Constantin Costa-Gavras mit. In seinem kontrovers diskutierten Spielfilmdebüt erzählt Regisseur José Padilha vom brutalen Kampf einer Spezial-Einheit der Militärpolizei gegen die Drogenmafia in den Elendsvierteln von Rio de Janeiro. Die Deutschen gingen bei der Preisverleihung leer aus.
"In jeder Sprache ist es schwierig auszudrücken, was ich empfinde", sagte Preisträger Padilha. "Wir wollen die Situation in Brasilien verändern. Dabei hilft der Film", sagte Produzent Marcos Prado. In Brasilien sollen bereits vor Kinostart rund 12 Millionen Menschen einen illegal auf DVD gebrannten Rohschnitt des Films gesehen haben. Noch einmal 2,5 Millionen Menschen sahen das unter anderem wegen seiner brutalen Folterszenen umstrittene Werk dann im Kino.
Silberner Bär für Sally Hawkins
Als beste Schauspielerin zeichnete die Jury die Britin Sally Hawkins mit einem Silbernen Bären aus. Sie bezauberte das Festivalpublikum als ewig gut gelaunte, sich dem Erwachsenwerden verweigernde 30-jährige Poppy in Mike Leighs Komödie "Happy-Go-Lucky" (Unbeschwert). Bester Darsteller wurde der Iraner Reza Naji als arbeitsloser Familienvater in "The Song Of Sparrows" (Der Gesang der Spatzen) von Majid Majidi.
Der Preis für die beste Regie ging an den US-Amerikaner Paul Thomas Anderson ("Magnolia"). Er wurde für sein für acht Oscars nominiertes und auch als Bären-Favorit gehandeltes Ölsucher-Drama "There Will Be Blood" ausgezeichnet. Den Preis für eine herausragende Einzelleistung erhielt der Komponist des Films, Jonny Greenwood.
Den Großen Preis der Jury erhielt der amerikanische Oscar-Preisträger Errol Morris ("The Fog Of War"). Er wurde für seinen Dokumentarfilm "Standard Operating Procedure" (etwa: übliche militärische Vorgehensweise) über die Menschenrechtsverletzungen in dem früheren US-Gefängnis Abu Ghoreib bei Bagdad geehrt.
Der Silberne Bär für das beste Drehbuch ging an den Chinesen Wang Xiaoshuai für das Drama "In Love We Trust" um den Kampf einer Mutter für ihr krebskrankes Kind. "Das Filmemachen ist in China schwierig für unabhängige Filmemacher. Dieser Preis hilft uns sehr", sagte der Regisseur. Die deutschen Filme "Kirschblüten - Hanami" von Doris Dörrie und "Feuerherz" von Luigi Falorni holten keine Trophäe.
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