Zuerst einmal kann man das nicht so pauschal behandeln. Brasilien ist riesig gross und die regionalen Unterschiede sind enorm. Nach 6 Jahren hier in Buzios, einem Wochenenddorf südlich von Natal, ist meine Sicht der Dinge logischerweise sehr auf meine unmittelbare Umgebung beschränkt. Ich bin nur durch einen Zufall nach Brasilien gekommen, für mich war nur wichtig: weg aus Deutschland. Daher war schon klar, das der stark europäische Süden nicht in Frage kommt. Es konnte als nur der Bereich zwischen Salvador und Fortalezza in die engere Wahl kommen. Mein erster Stopp war Recife..... Zu viel Kriminalität. Der zweite war dann Natal. Hat mir schon super gut gefallen. Dann erst dieses Buzios....Zu der Zeit so gut wie keine Ausländer und mit einer Pousada die ich bezahlen ( kaufen ) konnte.
Kriminalität bei uns eher nicht. Ab und zu wird mal eine Bar oder ein Supermarkt überfallen, aber das war es dann schon. Meines Wissens ist an unserem Strand noch niemals nicht jemand überfallen worden. Dafür haben wir 300 Sonnentage im Jahr, dazu immer eine frische Meeresbrise, kilometerlange Strände, Dünen und Süsswasserseen. Die bürokratischen Hürden habe ich alleine oder mit Hilfe meines Contadors relativ problemlos geschafft. Die Pousada wirft genug ab um notfalls davon leben zu können. Die ersten Jahre habe ich aber allen Gewinn wieder reinvestiert. Da habe ich sicher einen Fehler gemacht.
Dazu konnte ich mir in der Nähe noch ein Häusschen kaufen. Mein absoluter Traum.
Gelegen auf einem Hügel, ohne direkte Nachbarn mitten im Grünen, selbst Mosquitos und Fliegen treten nur selten auf. Dazu eine, zugegebenerweise komplizierte, aber liebe Frau
eine goldige Tochter einen Hund, 2 Katzen, einen Hasen und eine Schildkröte. Auch den einen oder anderen Freund habe ich schon gefunden. ( Nein keine Deutschen ).
Die Arbeit in der Pousada wird mittlerweise von meiner Frau und von meinem genialen Gerente ( Brasilianer !!!! ) nahezu alleine erledigt. Also kann man mir doch nachsehen, dass ich mich meistens recht wohl hier fühle.
Folgt nun die andere Seite der moeda. Da wäre zuerst der erschreckende Mangel an Erziehung und Allgemeinbildung bei grossen Teilen des povos zu nennen. Daraus resultierend der fehlende Respekt vor der Umwelt und auch vor anderen Menschen. Anarchie im Strassenverkehr und keinerlei Rücksicht auf andere..Stichpunkt Polucao sonar. Selbst die eigenen Kinder werden gezwungen mit unglaublicher Lautstärke die grössten Sauereien mitanzuhören. Nein, jetzt kein Beispiel sonst wird mein Beitrag gesperrt. Andereseits sorgt ein entblösster Busen am Strand für grösste Entrüstung und hat das Herbeirufen der Polizei ( die dann tatsächlich auftaucht ) zur Folge.
In der hiesigen Presse werden Touristen besstenfalls als Sextouris oder schlimmer noch als Pädophile, Menschenhändler oder Drogenkuriere beschrieben. Geh mal hier in die Dörfer und finde einen über 50 Jahre alten Man der keine minderjährige Frau oder Geliebte hat. Das möchte ich gleich zurücknehmen, aber ich kenne da so einige. Nur regt sich darüber niemand auf. Hier gibt es ungezählte Bars, Imbisbuden, Restaurants mit haarsträubenden hygienischen Bedingungen. Kommt da ein Gesundheitsamt zur Überprüfung ? Natürlich nicht. Denn da diese Buden nicht angemeldet sind und auch keine Steuern bezahlen gibt es sie auch gar nicht. Falls du aber angemeldet bist kann schon eine Dose Fanta fora da validade zu heftiger Strafe führen. Wo du hinschaust gibt es Doppelmoral nach dem Motto: ich darf alles, der andere muss sich an die Gesetzte halten.
Bettelnde Kinder, Behinderte und Greise an den Ampeln, himmelschreiende Armut in den Favelas, Hunger im Sertao, Fazenderos die ihre Leute wie Sklaven halten. Koruption auf allen Ebenen.
Das fehrnsehnschauende Volk bekommt täglich in den Nachrichten auf allen Kanälen die wiederlichsten Verkehrsunfälle und Gewalttaten vorgesetzt, am Besten in Zeitlupe mit Intervies, ( sorry, keine Ahnung wie man das richtig schreibt ), der Opfer ( sofern sie noch leben ) und der Täter ( Zitat: er hat mein Auto berührt...dafür musste er sterben ). Besonders beliebt ist es auch der trauernden, heulenden Mutter der soeben bestialisch gemordeten Tochter die Kamera voll ins Gesicht zu halten und so sinnvolle Fragen wie:
Tudo bem ? zu stellen. Alternativ kann man sich natürlich noch die tollen telenovelas antun, deren Schauspieler wohl nach dem Grad ihrer Unfähigkeit angestellt werden. Das alles im Vorabendprogramm.
Spielfilme gibt es auch, diese beginnen so zwischen 24.00 und 2.00 Uhr. Auch ganz toll die Kinderfilme ab 3.00 Uhr morgens oder die Lehrnprogramme ab 4.00 Uhr morgens.
Habe noch so einiges loszuwerden, aber der Beitrag wird sonst echt zu lang.
Finalmente bin ich doch sehr zufrieden hier, das geht aber nur, wenn ich in meinem Buzios bleibe, die Augen vor der traurigen Realität verschliesse, kein Fehrnsehen schaue, mich der kleinen Verbesserungen freue und wie ein feiger Hund nur das Positive sehe.
tarta



6Danke
Themenstarter


