„Hermann“ war in den frühen 80er Jahren viel unterwegs und fast jede deutsche Hausfrau hatte irgendwann einmal Kontakt zu ihm gehabt.
Nein, „Hermann“ ist trotz seines männlichen Namens kein Mann, sondern Grundzutat für den nach ihm benannten „Hermannkuchen“.
Eigentlich ist „Hermann“ ja ein Sauerteigansatz, der durch schon fast nicht mehr zählbares Teilen und „Weiterfüttern“ quer durch Deutschland „gewachsen“ war.
Nun ist aber das Problem hier in Brasilien, dass meines Wissens „Hermann“ noch nie auftauchte und deshalb auch kein Ausgangsmaterial zum Füttern und Weitergeben vorhanden ist.
Nach einiger Recherche bin ich im Internet auf zwei Grundrezepte für „Hermann“ gestoßen, wobei allerdings das erste wieder nur in Mitteleuropa verwendbar ist, denn eine der Zutaten ist „Buttermilch“ (soro de leite) und die ist in Brasilien, wenn überhaupt, dann nur schwer aufzutreiben!
Wer also das Rezept hier in Brasilien testen und weiterverbreiten möchte, muss sich an die zweite Version halten!
Grundsätzliches:
- Alle 10 (zehn !) Tage wird „Hermann“ aufgeteilt und gebacken.
- Dazu wird „Hermann“ gedrittelt: ein Drittel zum Backen, ein Drittel zum weiter füttern und ein Drittel zum Weitergeben (natürlich MIT Anleitung!)
Grundrezept 1:
- 100g Roggenmehl Typ (Deutschland: Typ1150, Brasilien “farinha de centeio”)
- 100ml Wasser dazu, verrühren
- eine halbe Tasse Buttermilch dazu, verrühren
Das ganze warm (Nähe Heizung, oben auf dem Kühlschrank nahe der Hinterwand, da gibt es Warmluft) aufbewahren (Temperaturen von bis zu 30 Grad spielen keine Rolle). Regelmäßig umrühren nicht vergessen. Am dritten Tag sollte die Masse dann anfangen, Bläschen werfen und gären.
Am 5. Tag: 1 Tasse Mehl, 1 Tasse Milch und 1 Tasse Zucker hinzufügen und umrühren
Am 6., 7., 8. und 9. Tag: einmal umrühren
Am 10. Tag: 1 Tasse Mehl, 1 Tasse Milch, 1 Tasse Zucker hinzufügen und umrühren
Grundrezept 2:
Ein halbes Päkchen Trockenhefe zusammen mit 1 Esslöffel Zucker in 1 Tasse lauwarmem Wasser auflösen und 1 Tasse Weizenmehl (OHNE Backpulver!!) unterrühren.
Diese Mischung an einem warmen Ort 2 Tage lang gären lassen.
Die Masse jeden Tag umrühren.
Anschließend diesen Grundteig weitere 2 Tage in den Kühlschrank stellen.
Dann gibt man 1 Tasse Wasser und 1 Tasse Mehl dazu und stellt den Teig weitere 6 Tage in den Kühlschrank.
Am 10. Tag ist der Grundteig fertig.
Egal, welches Rezept verwendet wurde, am 10 Tag wird “Hermann” in 3 Teile geteilt:
Ein Teil zum Weiterfüttern
Ein Teil zum Backen
Ein Teil zum Weiterverschenken (mit Anleitung bitte)
Herrman füttern:
Mit einem Drittel wie folgt vorgehen: Dem Teigdrittel 1 Tasse Milch, 1 Tasse Mehl und 1/2 Tasse Zucker hinzufüegen. Diese Mischung bitte in eine große Schüssel geben (“Hermann” dehnt sich aus!!) und in den Kühlschrank stellen (1x täglich umrühren nicht vergessen!).
Am 5. Tag gibt man wieder 1 Tasse Milch, 1 Tasse Mehl und 1/2 Tasse Zucker dazu.
Am 10. Tag teilt man diesen Teig wieder in 3 Teile und das Spiel geht von vorne los!
Der “Hermannkuchen”:
Variante 1:
- 1/3 Teig “Hermann”
- 2 Eier
- 1 Tasse Zucker
- 2 Tassen Mehl (OHNE integriertes Backpulver)
- 1/2 Tasse geschmolzene Butter
- 1/2 Tasse Öl
- 1 Päckchen Backpulver (oder 2 Teelöffel)
- 1/4 Tasse brauner Zucker
dazu noch:
- 1 Teelöffel Zimt
- 1 Tasse gehackte Nüsse (Wal- oder Haselnüsse, Brasilien: Paranüsse)
- 1 Tasse Rosinen
oder als Váriante des “dazu noch”:
- 1 Tasse Kokos-Raspel
- 1 Tafel Zartbitterschokolade (gehackt, in Brasilien reicht eine halbe Tafel “meio amargo”, die haben normalerweise 180 Gramm))
- 1 Tasse "Trockenfruchtmix" (= Citronat, Orangeat, kand. Kirschen und Melonenstuecke, in Brasilien 1 Tasse “frutas cristalizadas”)
Dies alles wird gut durchgeührt (keinen Mixer verwenden!) und in eine Kastenform gefüllt. Gebacken wird der Kuchen auf der unteren Schiene bei 180 Grad 45-60 Minuten. (am besten sticht man den Kuchen gegen Ende der Backzeit mit einem Holzspieß an. Kommt der Spieß feucht heraus, muss der Kuchen noch weiterbacken.)
Variante 2:
- 1 Tasse Öl
- 3 Eier
- 1 Tl. Vanillezucker (Brasilien: 1 Tl. Vanillegeschmack, flüssig)
- 2 Tassen Mehl (OHNE integriertes Backpulver)
- 1 Tasse Zucker
- 1 Tl. Zimt
- 2 Tl. Backpulver
- 1 Pr. Salz
- Eventuell 2 geschnittene Aepfel, Rosinen oder Kirschen hinzufügen.
Danach ca. 45 - 50 Minuten bei 180 - 200 Grad backen. (Stäbchenprobe nicht vergessen).
Variante 3:
2 Tassen “Hermann” in eine Schüssel und folgende Zutaten daruntermischen:
- 2 Eier
- 2 Tassen Mehl
- 1/2 halbe Tasse Öl
- 1 gehäuft. Teelöffel Backpulver
- 1/2 Teelöffel Zimt
- 1 Tasse Rosinen
- 1 Tasse Zucker
- 1 Tasse Nüsse
- evtuell Orangeade od. Succade (frutas cristalizadas)
Alles gefühlvoll unterrühren, bis es gut vermischt ist. Den Teig in eine gut gefettete und gemehlte Kasten-Backform geben.
Vor dem Backen kommt obendrauf eine Mischung aus:
- 1/2 Tasse geschmolzener Butter
- 1/2 Tasse braunen Zucker
- 1 Esslöffel Zimt.
Mit einer Gabel die Mischung unterrühren.
Dann “Hermann” bei 180 °C (Gas Stufe 4) etwa 45 Minuten, lieber etwas länger, backen.
Nach dem Backen kann man Hermann nach Belieben mit einem Guss überstreichen aus:
- 1/2 Tasse Butter
- 1/3 Tasse Milch
- 1/4 Tasse brauner Zucker
Die Mischung 2 Minuten kochen und über Hermann gießen.
Und bitte NICHT steinigen, wenn euch “Herrmann” im wahrsten Sinne des Wortes über den Kopf wächst! Und bevor man in Urlaub fährt, auf alle Faelle “Herrman” aus dem Kühlschrank entfernen und verschenken, sonst wird es ein “Herrmannschrank”!
Der “richtige” Herrmannansatz hat übrigens ein charakteristisches Apfelaroma (obwohl da nirgends was Apfeliges rein kommt)! Und irgendwann wird das Zeug anfangen, nach grünen Äpfeln zu riechen, da bestimmte Kulturen sich bevorzugt vermehren, was wohl an der sturen Versorgung mit Weizenmehl, Milch und Zucker liegt.



2Danke
Jute statt Plastik!



