Wirklich schade. Der Herzschmerz verging aber schnell und am gleichen Abend geriet ich nach dem allabendlichen Gang (immer noch ohne Begleitung) in ein sogenanntes „Roda de Samba“. Im Kreis aufgestellt tanzen jede Menge Jungs und Mädels abwechselnd nach Trommel- und Berimbau-Klängen Samba. In der Mitte des Kreises opferte sich immer eine der anwesenden Tänzerinnen und legte ein Solo hin.
Eine der Damen – sie war nicht besonders groß, hatte allerdings einen tollen Vorbau und auch die restlichen Konturen waren gut verteilt – hatte Capoeira-Bekleidung an und tanzte nicht nur wie wild, sondern band auch noch ein paar Capoeira-Elemente in ihre Vorstellung ein. Ich denke, mir stand der Mund offen und ich sabberte ohne es zu merken. Ich hatte mich innerhalb von wenigen Minuten in die Dame mit den weißen Hosen und dem blauen Oberteil verliebt. Offensichtlich merkte sie das auch und blickte nach ihrem Tanz pausenlos zu mir. Kein Wunder – ich tat das Gleiche minutenlang vorher auch.
Ich beichtete ihr sofort, dass sie genial getanzt hat und ich sowas vorher noch nie gesehen hatte. Sie erwiderte mir, dass sie noch nie vorher so schöne leuchtend grüne Augen gesehen hatte, wie meine ... ich war baff von ihrer Direktheit. Das hatte ich bei noch keiner Brasilianerin so kennengelernt. Natürlich wollte ich das Spielchen weiterführen und erzählte ihr von meinem Traum endlich mal mit einer Dame oben auf der Düne zu sitzen. Natürlich verschwieg ich ihr vorläufig, dass ich da eigentlich nicht nur unnütz herumsitzen, sondern mich wenigstens mit ihr umschlingen, wenn nicht noch mehr, wollte. Wir holten uns etwas zu trinken – die Dame schwitzte nämlich, aber roch nicht – und gingen bereits Hand in Hand zur Düne hoch. Alles was folgte war wie selbstverständlich, obwohl es das ganz sicher nicht war...
Auf der Düne angekommen, setzten wir uns nicht erst, sondern ließen uns nach hinten gleiten, um den tadellosen Sternenhimmel über Jeri zu sehen. Es war traumhaft romantisch. Wir brauchten keine Worte zu verlieren, um über uns herzufallen. Die Stimmung dazu war bereits perfekt genug. Mein Traum wurde wahr und die Dame tat ihren Teil, um den Abend unvergesslich werden zu lassen. Eng umschlungen verliessen wir die Düne und saßen noch ein paar Stunden in einer Strandbar. Es lief Bob Marley und von Kiffern umgeben fühlte ich mich dem Weltuntergang noch nie so nah. Mich störte dies herzlich wenig, denn ich wusste, dass er mir gerade versüßt wurde.
Leider war das unser letzter Abend in Jeri. Sowohl meine Dame als auch ich, hatten vor, am nächsten Tag abzureisen - leider in getrennte Richtungen. Der Abschied von Jeri hätte aber trotz alledem nicht perfekter sein können. Ein Grund mehr, nie wieder nach Jeri zurückzukommen. Es kann eigentlich nur schlechter werden. Deshalb behalte ich Jeri als eines meiner privaten Paradiese in ewiger Erinnerung wie es im Jahre 1998 war.
Ende Jeri ...
Jens, wie siehts aus. Sollten wir auch von der Dame im orangfarbenen Kleid berichten???![]()



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Auf der Jeri-HP habe ich gesehen, dass die Strasse, wo früher der Hinterhof-Forró stattfand, jetzt sogar "Rua do Forró" heisst. Genial. Da werden Erinnerungen wach.

