Teil 3 – Fitnessstudio
Fitnessstudio ist ein doofes Wort im Deutschen, weil es mit 3 „s“ geschrieben wird. Im Portugiesischen ist das viel schöner und klingt sogar etwas gebildet: „Academia“!
Gut, über den Bildungsgrad seiner Benutzer weiß man nicht allzu viel. Jedoch hinterlässt der Anblick übermäßig großer Muskeln immer din Beigeschmack eines etwas dümmlichen Images. Zumindest kann man aber in Brasilien anhand der Hautfarbe, Kleidung und auch Haarfarbe der Bodypumper erkennen zu welcher Einkommensgruppe diese gehören. In meinem Falle war das gestern sehr leicht. Obwohl ich den ständigen Eindruck habe, dass das Mittel der Rio-Bevölkerung dunkler als z.B. in Belo Horizonte ist, war es in der Academia genau anders herum – und das, obwohl ich Supergringos Tipps getrotzt habe (Tschuldigung SG ... ich weiss es war gut gemeint von dir). Ich habe mir keine der von ihm empfohlenen Super-Academias ausgesucht und das aus 2 einfachen Gründen:
Die Academia muss in meinem Fall zwischen Arbeitsort und Wohnort liegen, so dass ich gezwungen bin auf dem Rückweg von der Arbeit dort einzukehren. Einmal zu Hause bekäme ich meinen Arsch nicht mehr vom Sofa hoch und der Trainingseffekt wäre im Eimer. Zweitens brauche ich keine Edelgeräte zum Training, da ich seit Geburt nur mit primitiven, teilweise selber gebauten, Hantelstangen und –bänken trainiere und die Bewegungsabläufe möglichst natürlich sein sollen und nicht von einer Maschine vorgegeben (natürlich ohne sich dabei zu verrenken).
Ich machte also gestern auf dem Rückweg an einer der beiden Academias, die ich am Straßenrand bemerkt hatte, halt. Übrigens am Rande einer Favela ... aber was ist in Rio schon nicht am Rande einer Favela? Nach der recht unkomplizierten Anmeldeprozedur (ich brauchte nicht mal den „Einstellungstest“ bei einem Pseudo-Doc zu machen) und bargeldloser Bezahlung durfte ich schon anfangen zu trainieren. Vielleicht lag es daran, dass ich ein recht vorteilhaftes Muscle-Shirt anhatte und somit mein etwas übertrainierter Schulterbereich recht gut zur Wirkung kam - vielleicht war es aber auch nur mein Dialekt oder meine grünen Augen.![]()
Der Monatsbeitrag betrug 158 R$. Ich fand das sehr teuer (in BH bezahle ich 90 R$), aber da die Lage günstig war und mein Aufenthalt sowieso zeitlich begrenzt ist, zauderte ich nicht lange. Der hohe Beitrag spiegelte sich deutlich im Publikum der Academia wieder. Von den 8 anwesenden Damen waren 6 blond. Ich meine mit blond richtig blond, also nicht blondiert oder „oxigeniert“. Die andern Beiden waren zwar dunkelhaarig, aber die eine war weißhäutig und die andere nur leicht angebräunt. Also alles andere als Rio-Durchschnitt. Trotzdem natürlich nicht hässlich, weil sie durch das offenbar recht intensive Fitnesstraining recht straffe Körperkonturen hatten. Besonders der Bauch einiger Damen ließ Neid in mir aufkommen. Ab 40 hat man da echt Probleme den einmal angefressenen Speck wieder wegzukriegen. Aber mit 40 wird man natürlich auch geduldiger als man noch als 20-jähriger Spund ist.
Was mir außerdem auffiel, war eine ausgesprochen delikate Sockenmode bei den Damen. Wirklich alle Damen hatten Hotpants bis zu den Knien an und trugen weiße Socken mit Strickmuster, die bis zu halber Kniehöhe gingen. Solche Tennissocken hat mir meine Frau vor ein paar Jahren verboten anzuziehen ... (wahrscheinlich waren sie auch zu alt und ausgeleiert).
Natürlich lief auf insgesamt 3 Fernsehern das „Jornal Nacional“ und anschließend die Novela „Caminho das Indias“ auf Rede Globo. Selbst die Kerle glotzen. Ekelhaft ...
Tut mir Leid, dass ich von den Kerlen nicht mehr berichten kann. Ich hatte da irgendwie kein Auge dafür. Besonders angetan hingegen hatte es mir die „Bauchwegtrainerin“. In Portugiesisch klingt das wiederum auch viel schöner „Professora de Abdominal“! Noch besser ist, wie man Abdominal ausspricht:
ABI-DOMI-NAUUUU
Sie machte ihren Schülern alle Übungen vor. Man konnte bei der Flachheit ihres Abidominaus kaum wegschauen, zumal der Rest des Körpers weniger flach war. Ich wagte es mir aber trotzdem nicht, eine Übungsstunde bei ihr zu abonnieren. Dazu habe ich noch zu wenig Abidominau und zuviel Speck oben drüber. Wenn der mal weg ist, gehe ich zu ihr (was sicher nie passieren wird, außerdem bräuchte ich dann nicht mehr zu ihr zu gehen ...).
Ein paar nette Blicke habe ich auch geerntet. Beide Blondinen schauten glücklicherweise nicht in Richtung meines Abidominaus, sondern in meine Augen. Wenigstens da habe ich für Brasilianerinnen noch etwas zu bieten, denn sie mögen grüne oder blaue Augen ...
Fazit: Es war eigentlich ein fast ganz normaler Fitnessstudio-Aufenthalt. Nur eine Klimaanlage war ich nicht gewohnt. Das scheint es auch nur in Rio zu geben. Ist aber auch verständlich bei den hiesigen Sommertemperaturen.
Meinen GOL hatte ich übrigens ein paar Meter weiter geparkt, so zwischen Academia und Favela-Eingang. Das Autoradio habe ich vorsichtshalber ins Handschuhfach gelegt (welch blödes Versteck), wo es nach meiner Rückkehr auch noch lag. Die Diebe sind also auch nicht mehr, was sie mal waren. Armes Rio!
Fortsetzung? Mal sehen ...



42Danke
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