Brasilien ist ein Faszinosum für Deutsche. Kein Land ist im Deutschen positiver besetzt als Brasilien und deren Menschen.
Warum eigentlich?
Alexander Busch zitiert in seinem Buch den Diplomaten Rubens Ricupero:
"Weltweit verbinden die Menschen mit Brasilien etwas, was ihnen verloren gegangen ist die Fröhlichkeit, die Lebensfreude, die Erotisierung der Kultur, der Spaß an Bewegung, das spontane Lachen."
Das Buch handelt in erster Linie aber nicht von dem Brasilianer an sich, sondern es handelt von einer Nation, die sich durch die vielen wirtschaftlichen und politischen Tiefen der letzten 20 Jahre gehangelt hatte.
Nach der demokratischen Wahl des ersten Präsidenten nach der Militärdiktatur, Tancredo Neves, und dessen Tod noch vor dem eigentlichen Amtsantritt hat Brasilien die verschiedensten politischen Heilsbringer kommen und gehen sehen. Die Wirtschaft und die brasilianischen Firmen wurden regelrecht durch die brasilianische Politik auf eine Eigenverantwortung hin getrimmt, die Brasilien zusammen mit Russland, Indien und China zu den neuen aufstrebenden Weltwirtschaftsmächte gemacht hat. Indien und China sind die Nationen, die uns als neue bestimmende Weltwirtschaftsfaktoren immer wieder in den Medien vorgestellt werden. Im Zuge der Verteuerung der Erdöl und Erdgas gehörte auch noch Russland zu den beiden zuvor genannten. Durch die jetzige Immobilien- und Bankenkrise und deren wirtschaftlichen Verwerfungen ist Russland erstmal wieder zusammen gestutzt worden. Aber Indien und China scheinen der Krise mehr Widerstandskraft zu bieten, als der "Ersten Welt" lieb sein kann. Und auch Brasilien gehört zu diesen Staaten, von denen sehr stark anzunehmen ist, dass diese erheblich gestärkt aus der Krise hervorgehen werden.
Alexander Busch beschreibt in seinem Buch "Wirtschaftsmacht Brasilien", welche von Deutschland aus unbeachtet gebliebenen Fortschritte das südamerikanische Land gemacht hat. Es beschreibt nicht nur den unwiderstehlichen Aufstieg der Ölfirma "Petrobras" von einer eher verschlafenen Staatsfirma hin zu einer international wettbewerbsfähigen Gesellschaft oder den Aufstieg von EMBRAER zu den Top 5 der internationalen Flugzeughersteller. Das Buch beschreibt auch gerade die Entwicklungen und Anstrengungen, welche Brasiliens Agrarindustrie in den letzten 15 Jahren im globalen Wirtschaftsmarkt zu einem Faktor gemacht hat, der von den alteingesessenen Wirtschaftsunternehmen sehr ernst genommen wird. Das Buch beschreibt nicht nur die Personen hinter dieser aufstrebenden Wirtschaftsmacht. Es beschreibt auch die Strukturen dahinter. Inklusive den hausgemachten Problemen Brasiliens und den momentanen Auswirkungen der internationalen Weltwirtschaftskrise (Stand des mir vorliegenden Buches ist Mai 2009).
Das Buch liefert keine Klischees, es liefert auch keine soziologischen Beschreibungen aus Favelas. Solche Bereiche werden allerdings nicht rigoros ausgeklammert, denn sie gehören auch zur brasilianischen Realität. Aber sie werden nicht zum bestimmenden Faktor des Buches. Bestimmend in diesem Buch sind vielmehr die Menschen hinter dem wirtschaftlichen Aufstieg mit all ihren Ecken und Kanten der letzten 15 Jahren.
Zugleich prägt Alexander Buch damit auch eine Zeichnung der brasilianischen Mentalität. Diese besitzt etwas asiatisches, welche harmoniebedürftig ist, aber Konflikten und Herausforderungen nicht ausweicht. Er zeichnet auch einen Markt, der in gewisser Weise seine eigenen Regeln hat, eben weil er durch binnenwirtschaftliche Feuertaufen lief, die sich uns in Deutschland nicht direkt erschließen und auch nicht in dieser Art präsent sind.
Das Buch fasziniert, fesselt in seinen Darstellungen und zeigt Perspektiven auf den Weltmarkt. Perspektiven, die weder eurozentristisch noch deutschfokusiert sind.
Demjenigen, der Informationen über die BRIC-Staaten im allgemeinen und Brasilien im Speziellen und im Besonderen sucht, der wird mit diesem Buch von Alexander Busch kompetent bedient.
Das Buch ist keine trockene Wirtschaftsabhandlung sondern eine verständliche Beschreibung für die gegenwärtige brasilianische Wirtschaftssituation.
Der Kauf hat sich für mich gelohnt. Und ich empfehle es weiter.
Alexander Busch "Wirtschaftsmacht Brasilien: Der grüne Riese erwacht"
Verlag: Hanser Fachbuch (1. September 2009)
ISBN-13: 978-3446417663
Preis: 19,90 Euro



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