Ola Lemi, hast ja nochmal Glück im Unglück gehabt. Hoffe du bist wieder ok. Laß' was von dir hören!
Frankie
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Ola Lemi, hast ja nochmal Glück im Unglück gehabt. Hoffe du bist wieder ok. Laß' was von dir hören!
Frankie
war so eine schöne Geschichte mit einem häßlichen Ausgang. Hoffe, dir gehts wieder gut, Lemi.
Keine Sorge - ich bin topfit.
Was der "böse Wolf" geschrieben hat, trifft den Kern der Aussage:
"Es ist gut sowas zu hören, weil es einen wieder aufweckt. Mit der Zeit wenn nichts passiert wird man sich zu sicher. Ich lasse auch die gute Uhr zu Hause und habe nicht viel Geld dabei. Aber das wissen die Täter leider nicht vorher."
@ Moni: Die Geschichte geht noch ein bisschen weiter. Hab heute Abend mein Date mit Rosa.Vorher muss ich mich aber noch durch Rios Bairros kämpfen, um den gerade durchgegebenen Stau auf der Ayrton Senna nicht zu erwischen. Fuuiiiiii ....
viel Spaß dabei... und du hast Recht. Vorsicht ist tatsächlich immer angebracht. Ich bin aber erst einen Monat hier und bin eh in allem, was ich tue total vorsichtig... das liegt aber zum größten Teil an den mangelnden Sprachkenntnissen.
Freu mich schon auf die nächsten Updates... für mich klingt das (noch) als wärst du in einer anderen Stadt.
Ein Abend mit Rosa
Zu Hause angekommen hatte ich keine bessere Idee, die von Rosa hinterlassene Telefonnummer zu testen. Die Nummer stimmte und Rosa freute sich riesig, dass ich wieder fit war. Sie entschuldigte sich bei mir, dass sie mich im Krankenhaus verlassen musste. Der Grund war simpel: Sie musste auf Arbeit.
Sie hatte sich aber vorgenommen nach der Arbeit wieder ins Krankenhaus zu kommen, um zu sehen, wie es mir ging. Zum Glück hatte sich das erledigt. Ich spürte, dass sie genauso froh darüber war wie ich. Ich nutzte das Telefongespräch natürlich gleich aus, um ihr zu sagen, dass ich sie gerne wiedersehen wollte.
Rosa wurde etwas verlegen, weiß der Teufel warum, denn eigentlich war sie eine Frohnatur. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich sehr auf unser Wiedersehen freute. Hatte sich Rosa etwa schon in Lemi verliebt???
Vorläufig wollte ich aber nicht in die Favela zurück, weshalb ich sie in mein Lieblingsrestaurant in Recreio einlud – das Lokau, ein Mittelklasse-Restaurant mit einem üppigen Buffet aus Salaten, Fisch, Meeresfrüchten und japanischen Snacks. Es befindet sich gegenüber vom Posto 10 und wird während der ganzen Woche recht gut besucht. Es gab ein paar gemütliche Ecken für Pärchen, aber auch Tische für Großfamilien. Ich entschied mich natürlich für Ersteres ...
Obwohl wir beide das Restaurant zu Fuß hätten erreichen können, machte ich mit Rosa aus, sie am Favelaeingang, dort wo eine kleine Brücke einen der ätzend stinkenden Kanäle überquert, abzuholen. Eigentlich eine Zumutung für sie, aber sie war daran gewöhnt ...
Ich ließ es mir nicht nehmen Kavalier zu sein. Um genau zu sein: Rosenkavalier. Ich hatte einen Strauss Rosen dabei ... wegen ihrem Namen natürlich.
Und weil sie es ganz einfach verdient hatte. Rosa hatte mir mit ihrem sechsten Sinn vielleicht das Leben gerettet!? Naja, so schlimm war es sicher nicht, aber warum sollte ich sie nicht einfach mal als Heldin feiern. So oft passierte das nämlich bestimmt nicht in ihrem noch recht jungen Leben.
Unser Treffen war interessant. Ich lernte die „andere Seite der Rose“ kennen. Es war nicht die Rosa, die auf jeder Party für Stimmung sorgt – nein – es war die verantwortungsbewusste und strebsame junge Frau, die wusste, was sie wollte.
Rosa stammt aus einer einfachen Arbeiterfamilie, die in einer Favela in Rios Vorort Duque de Caxias wohnte. Ihre Eltern konnten ihr natürlich keine ordentliche Schulausbildung bezahlen, weswegen sie den Weg nahm, den wohl alle Favela-Kids nehmen: eine öffentliche Schule, die es in 8 Jahren zu nicht viel mehr bringt als ihren Schülern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen ... und das mehr schlecht als recht. Aber für Rosa war das kein Grund sich damit abzufinden. Sie suchte sich einen Job und mit dem Geld, was sie verdiente, bezahlte sie ein Abendstudium in „Unternehmensadministration“. Die Überraschung kam, als ich sie fragte, wo sie arbeitete: Seit drei Jahren als Putzfrau in einem der Baustellenbüros auf der Thyssen-Krupp-Baustelle in Sepetiba!
Um pünktlich auf Arbeit zu kommen, muss sie früh um 4 aufstehen und drei Busse nehmen. Ihre Arbeitszeit in Sepetiba beginnt um 7 Uhr und endet genau 10 Stunden später. Halb 6 nimmt sie den Werksbus, um nach Barra da Tijuca zu kommen. Dort studiert sie bis abends um 10. Anschließend nimmt sie 2 weitere Busse nach Duque de Caxias, wo sie gegen Mitternacht ankommt. Sie hat also weniger als 4 Stunden Schlaf. Jeden Tag, außer sonntags. Und schon 3 Jahre lang.
Ich bewunderte das. Ich musste sogar zugeben, dass ich das nicht durchhalten würde. Aber Rosa antwortete todernst „A gente tem que ralar, Lemi. Todo dia. Senão meu querido, a gente vai para fundo do poço.”
Ich wusste, dass es nur wenige Gelegenheiten gab, um aus dem Teufelskreis „Fehlende Ausbildung – Mindestlohn - Armut – Favela“ herauszukommen. Doch Rosa suchte ihre Chance und packte sie nun an den Wurzeln.
Ich erzählte Rosa, wie die Ausbildung in Deutschland funktioniert und dass die Studienzeit eigentlich meine schönste Zeit im Leben war. Nie wieder danach hatte ich so viele Freiheiten. Rosa fand das alles nicht schlecht, erwiderte aber, dass sie sich auch nicht beschweren kann. Sie hatte sich an den hahnuhlzierenden Rhythmus ihres Alltags gewöhnt und sie hatte ein lohnenswertes Ziel vor Augen: einen besserbezahlten Job. Auch die wenigen Stunden Schlaf machten ihr nichts mehr aus.
Ich mochte Rosa. Sie lispelte ein wenig, was ihr eine Extra-Portion Charme verlieh. Nachdem wir etwas getrunken hatten, verfiel Rosa wieder in den Zustand, wie ich sie auf dem Forró kennen gelernt hatte. Sie lachte fast ununterbrochen und erschien etwas tapsig als sie zwischendurch zum Klo ging. Ganz anders als Grace, die alleine durch ihren Gang die Blicke aller Männer magisch anzog. Grace hatte Ausstrahlung – Rosa hatte innere Werte. Offenbar konnte sie genauso diszipliniert wie ausgelassen sein. Und obwohl sie „schon“ 21 war, hatte sie keine Kinder. Auch dazu gehörte eine Portion Selbstdisziplin. Wie viele ihrer Mitbewohner in der Favela hatten in diesem Alter schon Kinder? Alle? Oder fast alle? Auf jeden Fall waren es sehr viele ...
Ich hatte mir für diesen Abend auch vorgenommen reinen Tisch zu machen – reinen Tisch bezüglich unserer Beziehung. Lemi war verheiratet und das sollte kein Geheimnis sein und vor allem der Grund, dass es nicht weiter gehen konnte als es in der Nacht auf dem Funk schon ging.
Es war alles einfacher als ich dachte.
Rosas Aufmerksamkeit reichte soweit, dass sie sogar den Abdruck des Eherings an meinem Ringfinger bemerkt hatte: „Lemi, falls du solo bist, kann es noch nicht sehr lange sein.“ Ich war ziemlich geschockt über diese unerwartete Beobachtung. „Nein Rosa, ich bin nicht solo ... darüber müssen wir mal reden.“
Ich versuchte etwas ernster zu werden, aber Rosa lachte weiter:
- Mensch Lemi, glaubst du, ich respektiere das nicht. Ich wöllte doch auch nicht, dass eine Andere meinen Mann wegschnappt!
- Und unser Kuss?
- Das war doch nur ein Kuss, Lemi!
- War aber nicht von schlechten Eltern ...
- Magst du meine Küsse?
- Muss ich jetzt die Wahrheit sagen?
- Rosa lachte wieder und wartete ...
- Dein Kuss war einfach geil. Aber ich darf ihn natürlich nicht mögen ...
- Willst du noch einen?
- Rosa. Hör lieber auf. Sonst krieg ich Appetit auf mehr ... und dann hast du genau das geschafft, was du eben noch verhindern wolltest, nämlich, dass du meiner Frau den Mann wegschnappst.
- Okay, okay Lemi, war ja nur Spaß. Wechseln wir lieber das Thema. Den Kuss kann ich dir auch noch später geben.
Sie lachte wieder ...
Eine Frage hatte ich noch auf dem Herzen. Ich wollte wissen, ob Rosa erfahren hat, wer mich überfallen hatte. Die Favela war sehr klein und ich dachte mir, dass sich so etwas schnell herumspricht, vor allem, wenn Rosa danach fragen würde. Ich merkte aber sofort, dass Rosa diese Frage nicht gefiel. Ich hatte das Gefühl, dass sie mimte nichts zu wissen. Doch sie kam mir sehr unsicher dabei vor. Ich bohrte deshalb nicht tiefer. Vorläufig nicht ...
Zum Abschluss unseres Treffens versprach ich Rosa sie mal auf der Baustelle zu besuchen. Ich wusste, wo ihre Baubude war und für mich war es ein Katzensprung.
- Und zum Forró? Kommst du nicht mehr zu uns in die Favela?
- Meinst du, ich sollte das?
- Nicht alleine. Aber wenn ich dabei bin, wird dir nichts passieren.
- Ich glaube, diese oder nächste Woche noch nicht, Rosa. Lass mal etwas Zeit ins Land gehen. Danach komme ich bestimmt wieder. Schließlich will ich dich wieder sehen. Der Abend mit dir heute war wunderschön!
- Er ist noch nicht zu Ende, Lemi!
Ich verzog ahnungslos das Gesicht.
- Lemi, der Kuss!
Ich kam weder zum Überlegen noch zum Antworten. Rosa klebte mir genau so schnell und überraschend an den Lippen, wie damals auf dem Baile-Funk.
Und ich wehrte mich genauso wenig, wie noch ein paar Tage zuvor ...
Fortsetzung folgt ...
Lemi, ein guter Rat von Rosa: Caxias ist wirklich extrem, was ich dort schon alles erlebt habe. Pass auf und gehe nur mit Rosa.
Aber ich liebe Caxias wirklich, dort wohnt ein Teil meiner Familie. Gehe sonntags dort mal zur Feira . Kannste alles kaufen, und auf der Praca gibt es guten Forro ao vivo......