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Zurück in Sepetiba - Teil 2: Es geht wieder los Es war Anfang März. Der Karneval war seit genau drei Wochen vorbei und nach vier Monaten Rio-Abstinenz saß ich auf einer nur eintägigen Dienstreise als Beifahrer neben meinem Boss in einem angemieteten Fiat Idea. Wir rauschten über die Avenida Brasil vom internationalen Flughafen Rio de Janeiros
  1. #1
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    Standard Zurück in Sepetiba - Teil 2

    Es geht wieder los


    Es war Anfang März. Der Karneval war seit genau drei Wochen vorbei und nach vier Monaten Rio-Abstinenz saß ich auf einer nur eintägigen Dienstreise als Beifahrer neben meinem Boss in einem angemieteten Fiat Idea. Wir rauschten über die Avenida Brasil vom internationalen Flughafen Rio de Janeiros in Richtung Santa Cruz, von wo aus es nur noch ein Katzensprung bis zu unserer Baustelle auf dem Gelände der Thyssen-Krupp war. Vorbei an Verkehrsschildern mit Namen wie Ramos, Madureira und Nilopolis glitt ich in Tagträume ab.

    Schilder, die für die meisten nur unbekannte Namen sind, waren für Lemi mit unvergesslichen Erlebnissen verbunden. Vor mir öffnete sich wieder die ganze bunte Welt der Sambaschulen. Erst als mich eine der Baustellensekretärinnen fragte "Eh Lemi, wo warst du denn zum Karneval???" wurde mir bewusst, dass ich dieses Spektakel aufgrund einer "Baustellenfehlplanung" nur knapp verpasst hatte. Dabei hatte ich mir bis zwei Tage vor Karneval ein Kostüm bei meiner Lieblings-Sambaschule "Imperatriz" reserviert gehalten. Ich wäre als Indio Guarani in einem der ersten Flügel der Sambaschule mitgelaufen. Was heißt gelaufen!? Wahrscheinlich getanzt, gesprungen oder sonst was.

    Als ich das Spektakel der Imperatriz im Fernsehen sah, kullerten ein paar Tränen. Ich wurde sentimental und sogar Sra. Lemi tröstete mich und bekam regelrechtes Mitleid. Bis dahin war ihr nicht klar, wie tief ihr Lemi im Samba-Sumpf steckte. Sie ahnte es vielleicht. Zumindest aber diente der Abend zur kompletten Aufklärung über die Geschehnisse zwischen Juni und Oktober 2009 in Rio. Und ich staunte über ihre Reaktion: "Nächstes Jahr werden wir zusammen am Desfile teilnehmen. Ich verspreche es dir!" Dies aus dem Munde einer Brasilianerin zu hören, scheint nichts Besonderes zu sein, aber wer Sra. Lemi kennt, weiß, dass sie es hasste zu tanzen. Somit war es ein eher unerwartetes Zugeständnis.

    Nach vier Monaten Abstinenz von Rio brauchte ich nicht lange, um mich wieder wohl zu fühlen. Alles um mich herum schien für mich gemacht zu sein. Sogar der riesige Sinterofen war mir an diesem Tag sympathisch. Und er rief nach Lemi, denn er wollte endlich Eisenerz produzieren.

    Diesmal war es nur ein Besuch, genauer gesagt ein Planungsmeeting. Lemi wurde wieder in die gleiche Position gesetzt, in der er schon die Kalt-Inbetriebnahme der Sinteranlage durchführte. Dies bedeute nicht nur ein paar Wochen harte Arbeit, sondern auch RIO!

    Ja Rio, ich komme wieder. Voller Vorfreude auf das was noch kommen sollte, ging ich in Elizabeths Büro. Sie war nicht nur die Schwärzeste unter unseren Bürodamen, sondern mochte genau wie Lemi die „Feijoada da Mangueira“, den Ort, wo Lemi zum ersten Mal hautnah mit dem Samba in Berührung kam. Ich erzählte ihr, dass ich Ende März auf die Baustelle zurückkommen werde und im gleichen Atemzug berichtete ich ihr von meiner Besorgnis, dass in der Nachkarnevalszeit in Rio sicherlich „tote Hose“ angesagt sein würde.

    Wahrscheinlich bin ich instinktiv in ihr Büro gegangen, da ich mir eine verneinende Antwort aus ihrem Mund erhoffte. Und genau so war es. „In Rio stehen die Uhren niemals still, Lemi ... du kannst mir vertrauen.“ Im gleichen Moment kam unser VW-Kombi-Fahrer Marcelo zur Tür hereingeschneit, so als hätte er unser Gespräch mitgehört: „Lemi, kennst du eigentlich schon die Beija Flor?“ Ich verneinte und begründete es damit, dass diese Sambaschule für mich ganz einfach zu weit ab vom Schuss lag. Ich gab nicht zu, dass ich insgeheim schon andere Favoriten hatte, denen ich bei meinen bisherigen Nachtausflügen durch Rio den Vorzug gab. Marcelo konnte es kaum glauben. Ich kannte SEINE Sambaschule nicht! Eine der besten und vor allem erfolgreichsten in den letzten Jahren! Ich musste ihm das Versprechen abgeben, dass ich die Beija Flor besuchen werde und versorgte mir im gleichem Atemzug meine Eintrittskarte: „Marcelo, wenn du mich mitnimmst, hast du dort ein Bier frei!“ Ich schaute zu Elizabeth herüber: „Und du? Bist du auch dabei?“ Beth, wie sie alle im Büro nennen, zeigte mir mit einem Lächeln ihre strahlend weißen Zähne und bejahte.

    Grace, die mir bei meinem ersten Rio-Besuch alle Türen und Tore in die manchmal glitzernde, manchmal aber auch brutale Welt des Sambas, Funks und der Favelas öffnete, wird dann auf einer Italien-Tour mit ihrer Samba-Show-Gruppe sein. Was aus Grace während der letzten vier Monate geworden ist, wäre wohl allein ein Buch wert. Sicherlich wird der "Mythos Grace" auch wieder in dieses Buch einfließen. Aber vielleicht gibt’s ja auch eine neue Grace! Wer weiß?
    Geändert von Lemi (29. March 2010 um 20:13 Uhr)
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  2. #2
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    Standard AW: Zurück in Sepetiba - Teil 2

    Super, es geht weiter mit Lemi in Sepetiba und der Sambawelt.
    Freu mich schon.


  3. #3
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    Standard AW: Zurück in Sepetiba - Teil 2

    Quo vadis, Lemi?

    Ich hatte mir ein paar Pläne für meinen zweiten Langzeitaufenthalt in Rio zurechtgelegt. Ich bekam diesmal ein ziemlich abgewracktes Baustellenfahrzeug zu meiner Verfügung. Es war die Basisversion eines VW Gol ohne Servolenkung und mit einem 1.0-Liter Motor. Im Innenraum sah es aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Müll, Bonbons, alte Lappen und CD´s lagen wild verstreut herum. Das Auto war auch noch knallrot, was nicht gerade zweckdienlich war, denn ich wollte möglichst unauffällig agieren. Einzig und allein eine Halterung, offensichtlich für ein Navigationsgerät, machte mir Hoffnung nicht wieder, wie beim letzten Mal, im Blindflug durch Rio herumzuirren.

    Nachdem ich die Avenida Brasil zum wiederholten Male auf und ab fuhr, zweifelte ich jedoch immer mehr an der Möglichkeit meinen Plan in die Tat umsetzen zu können. Ich hatte vor, die berühmt-berüchtigte Avenida Brasil von ihrem Anfang im Zentrum Rios bis hin zu ihrem Ende in Santa Cruz, wo sich auch der Abzweig zu unserer Baustelle befindet, Schritt für Schritt zu erkunden. Die Avenida Brasil ist nicht nur die Strasse mit der höchsten Verkehrsdichte in Brasilien, sondern auch ein Mythos. Sie ist knapp 60 km lang und kreuzt 28 Stadtbezirke bzw. Vororte Rios. Aufgrund des üblen Straßenzustands und der konstanten Überlastung der Verkehrsader, aber hauptsächlich durch den aggressiven Fahrstil der LKW- und Busfahrer, alkoholisierte Asphaltcowboys und die Überfälle aus den dicht angrenzenden Favelas kam es jährlich zu über 130 Verkehrstoten.

    Doch je mehr ich in die in Gassen der beidseitig wuchernden Favelas hineinschaute, desto unwohler fühlte ich mich bei meiner eigenen Idee. Es sah nicht nur unwirtlich aus – nein - ich würde mir im Wirrwarr aus Gassen und Backsteinhütten wohl nicht anders als ein Streichholz im Ozean vorkommen, welches jeden Moment zerbrechen konnte. Ein mir bereits bekanntes Ohnmachtgefühl wurde wach und ich fing an zu zweifeln, ob ich den richtigen Weg ging. Eines war mir von vorn herein klar: Ich würde keinen Schritt in die Favelas entlang der Avenida Brasil ohne einen ortskundigen Einwohner machen können. Die Gefahr abgeknallt zu werden war einfach zu groß. Ich brauchte wieder eine Eintrittskarte! Doch wer besorgte mir sie und wohin musste ich meine ersten Schritte wagen, um an sie heranzukommen? Zu viele Fragen waren noch offen, um meine „Mission“ beginnen zu können. Vielleicht musste auch einfach wieder ein Zufall passieren, um voranzukommen. Ich weiß es (noch) nicht. Ich musste warten ... geduldig sein ... eine mir bis dahin völlig fremde Eigenschaft.

    Ach ja .. hatte ich vergessen: Fortsetzung folgt
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  4. #4
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    Standard AW: Zurück in Sepetiba - Teil 2

    Die Anpassungsphase

    Rio ist immer wieder eine neue Herausforderung. Ich glaubte eigentlich mich schnell wieder einzugewöhnen und gleich mit meinen Erkundungen loslegen zu können. Schließlich hatte ich schon knapp vier Monate in Rio gelebt und kannte die Stadt und ihre Besonderheiten recht gut. Aber Rio forderte mir wieder sein Tribut ab.

    Die starken täglichen Regengüsse ließen nicht nur die Strassen regelmäßig unter Wasser stehen, sondern auch die offenen Abwasserkanäle überlaufen. Somit verstärkte sich der sonst schon permanent vorhandene Güllegestank auf ein fast unerträgliches Mass. Mehr besorgt war ich aber um die Krankheitserreger, die dort drin brüteten. Dengue-Fieber ist eine Krankheit mit sehr unangenehmen Symptomen und kann beim wiederholten Auftreten zum Tod führen. Rio hatte bereits einige Epidemien hinter sich und konnte davon ein Lied singen. Doch das war eigentlich nur nebensächlich.

    Vor allem das drückende feuchtheiße Klima machte mir zu schaffen. Wenn ich nach einem langen Arbeitstag verschwitzt zu Hause ankam, stand die Luft regelrecht in meiner Wohnung. Es war stickig heiß und mir war völlig unklar, wie ich unter diesen saunaähnlichen Verhältnissen einigermaßen normal schlafen sollte. Wenn ich das Fenster aufmachte, musste ich damit rechnen, dass Mückenschwärme mich auffressen. Zu den Mücken Rios hatte ich ein besonderes Verhältnis aufgebaut. Ich bekämpfte sie wie üblich mit chemischen Mückensteckern. Doch darüber schienen sie nur zu grinsen. Ich hatte trotz dieser Vergiftungsmethode das ganze Zimmer voller stichbereiter Mücken und kämpfte mit dem Handtuch um mich schlagend gegen sie an. An den Blutspuren an der Wand sah ich, dass sie mich bereits ausgesaugt hatten. Am nächsten Tag befragte ich den Apotheker, welches Mittel die Cariocas gegen die Mücken verwendeten. Ich bekam zu hören „Ja eigentlich keins. Die Leute gewöhnen sich daran.“ Diese Antwort war natürlich völlig unbefriedigend, denn ich wusste nicht wie lange es dauern würde bis sich mein Körper an diese summenden Biester gewöhnt hatte. Ich griff wahllos ins Regal und nahm alles mit, was nach starken Gift aussah: Baygon-Spray, ein Flüssiggift für die Steckdose und sogar eine Autan-Deostift zum Auftragen auf den ganzen Körper.

    Ich war also gut bewaffnet für die kommende Nacht.

    Das Gift in meinem Schlafzimmer machte wahrscheinlich nicht nur die Mücken handzahm, sondern ließ auch mich unter dessen betäubender Wirkung tief einschlafen. Doch schon nach wenigen Stunden schienen sich die Mücken an das Gift gewöhnt zu haben und fingen wieder an, um meine Ohren zu kreisen. Als ich aufwachte, war es gerade mal halb 2 und ich hatte noch die halbe Nacht vor mir. Ich hatte ehrlich gesagt keine Lust, während der Restzeit bis zum Weckerklingeln mein Schlafzimmer zum Kriegsschauplatz zu machen und sprühte reichlich Baygon in Richtung der an der Wand sitzenden Mücken. Beim Fluchtversuch taumelten sie dann in Richtung Boden. Ein erleichterndes Lächeln machte sich über Lemis Gesichtszüge breit.

    Erst als ich am Morgen mehr oder weniger fit aufstand, sah ich, dass die Mücken nicht mehr auf dem Boden lagen. Ich wunderte mich. Sollten sie sich wieder aufgerappelt haben? Als ich am Abend das Zimmer wieder betrat, sah ich, dass sich meine schlimme Vorahnung bewahrheitet hatte! Ich wusste nun, was mir jeden Abend bevorstand. Aber vielleicht meinte ja der Apotheker mit dem „man gewöhnt sich daran“ genau das!?

    Die schwüle Hitze des nicht zu Ende gehend wollenden Sommers lähmte auch tagsüber alle Glieder. Bei 35°C und extrem schwerer und feuchter Luft fielen alle Bewegungen schwer und der Körper schaltete automatisch auf „Energiesparmodus“ um. Es war auch die einzige Möglichkeit nicht schon mittags völlig fertig am Ende seiner Kräfte zu sein. Als ich im Vorjahr im Winter in Rio war, spürte ich diese Verschleißerscheinungen nur selten. Jetzt waren sie ständig präsent.

    Obwohl dies nur zwei natürliche Faktoren waren, nahmen sie entscheidenden Einfluss auf den körperlichen Zustand und die Bereitschaft in den wenigen Stunden nach der Arbeit noch mal aktiv zu werden. Ich gab mir selber eine Woche Zeit zur Anpassung. Nach der ersten Nacht dachte ich noch „Scheiße, wo bist du hier nur hingeraten?“. Doch der zweite und dritte Tag versprach schon Besserung. Am vierten Tag war ich dann soweit. Ich verspürte das erste Mal Lust auszugehen.

    Im gleichen Moment ging die Hand automatisch zum Telefon. Ich dachte daran, meine alten Freunde aus der Sambaschule „Vila Isabel“ zu konsultieren. Doch bevor ich eine der altbekannten Nummern drückte, ruckte es in mir. Mein Kopf sagte „Nein Lemi ... du wolltest doch neue Wege beschreiten!“ Mir wurde schnell klar, dass ich mit meiner alten Clique wieder in den Sambasumpf abdriften würde. Doch da wollte ich diesmal nicht hin. Ob ich mich wirklich gegen diese Leidenschaft wehren konnte, sollte die Zeit zeigen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt war ich jedoch noch stark genug einfach Nein zu sagen. Aber wieder quälte mich die immer wieder kehrende Frage: „Wie komme ich in den Dunstkreis meiner anvisierten Destinationen?“ Oder sollte ich einen Alleinritt wagen, wie ich es leichtsinnigerweise schon so oft getan hatte? Ich ließ Vorsicht walten.

    Die lokalen Nachrichten ermunterten mich nicht gerade zu meinen Vorhaben. Immer wieder wurden Leute von Drogendealern an den Favela-Eingängen abgeknallt. Gestern waren es Drei in der Vila Kenedy. Das Motiv ist unbekannt. Von den Tätern fehlt natürlich jede Spur. Vorgestern wurde ein ganzer Bus angezündet, der in die Cidade de Deus hereinfuhr. Auch da gab es Tote. Eine Frau mit schweren Verbrennungen wurde im Fernsehen interviewt. Sie berichtete von den schrecklichsten Sekunden ihres Lebens. Sie war auf dem Weg von der Arbeit zur Uni, wo sie ein Abendstudium absolvierte. Die Gewalt schien in Rio kein Ende zu nehmen. Ganz im Gegenteil. Ich hatte den Eindruck, dass die Verbrecher Rio schon lange in ihrer Hand hatten. Plante der Staat überhaupt einen Gegenschlag?

    Fortsetzung folgt ...
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  5. #5
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    Standard AW: Zurück in Sepetiba - Teil 2

    Ausflug in die Favelinha

    Ich fühlte mich gut – eigentlich sogar topfit. An den bisherigen vier Abenden ging es von der Baustelle direkt ins Fitnessstudio – direkt neben der kleinen Favela, die mitten im Stadtbezirk Recreio klebte. Die meisten Leute, die dort trainierten, kannte ich noch vom Sehen. Frech fand ich die Preissteigerung seit letzten Oktober. Nach vier Monaten hatte man den Monatspreis von 158 auf 200 R$ hochgesetzt. Als ich nach einer Rechtfertigung fragte, sagte mir die nicht gerade besonders durchtrainierte (ich vermeide mal das Wort „fette“) Dame an der Rezeption, dass dies die normale Anpassung wäre. Meine sicherlich durchaus nicht unberechtigte Anmerkung, dass die Inflation in Brasilien 5% pro Jahr und nicht pro Monat betrug, ließ sie kalt. Ich hatte zu zahlen. Schließlich trainierte ich ja im zukünftigen Olympiaaustragungsort Rio de Janeiro. Vielleicht schon ein kleiner Vorgeschmack, was den Olympia-Freak später in Rio erwarten wird ...

    Nachdem ich das Fitnessstudio verließ, fuhr ich mit dem roten Gol durch die kleine Favela in Richtung meiner Wohnung direkt am Strand von Recreio. Die Verlockung war groß, mal auf ein Bier in eine der schummrigen Kneipen oder Karaoke-Bars einzukehren. Doch ich fühlte mich schlapp und schlief auch an den ersten Abenden regelmäßig gegen 10 vorm Fernseher, meist noch beim ersten Bier, ein.

    Doch heute war das anders. Und da ich die Favelinha, wie ich das kleine Agglomerat aus Mini-Favelas liebevoll nannte, schon etwas kannte, beschloss ich kurzerhand, auch dort meinen Abend zu verbringen. Das war recht einfach, denn ich konnte zu Fuß dorthin gehen und somit auch mal ein Bier über den Durst trinken, ohne dass mir gleich ein Polizist 1000 R$ Strafe aufbrummte und mir für ein Jahr den Führerschein entzog. Ja genau das waren die Regeln – Null Promille war in Brasilien seit ungefähr einem Jahr Gesetz und wurde in Rio ungewöhnlich häufig kontrolliert. Ich kannte zwar ein paar Schleichwege, aber trotz alledem war das Risiko und vor allem der Schaden, falls man erwischt wird, recht groß.

    Das Wetter war einigermaßen stabil und ich nahm den Weg an der Strandpromenade vorbei an den Postos 10, 11 und 12 bis zum Eingang der Favela. Ich genoss zum ersten Mal die Meeresbrise und das Geräusch der starken Brandung des atlantischen Ozeans. An den Strandbaracken saßen ein paar ältere Herren und spielten Karten oder würfelten. Wahrscheinlich machten sie das regelmäßig, vielleicht sogar täglich. Es gab eine Fitnessmeile, ein paar Jogger kamen mir entgegen, denen ich mit gutem Gewissen in die Augen schauen konnte, denn ich hatte meine Trainingseinheit bereits hinter mir und fühlte mich topfit. Das Ambiente änderte sich erst als ich in die Favela eintrat. Und es änderte sich rabiat. In den Bars wurde nicht mehr Karten gespielt, sondern getrunken und gelacht. Im Hintergrund lief laute Funkmusik aus dem Automaten. Die Strasse war viel dichter bevölkert als noch kurz zuvor die Strandpromenade. Ich fühlte mich absolut sicher. Da ich allein unterwegs war, setzte ich mich in der Hoffnung auf neue Kontakte in die am besten besetzte Bar. Ich hatte einen Bärenhunger und so bestellte ich mir außer einem Bier gleich eine Portion Grillfleisch, welche auf einer heißen Eisenplatte serviert wurde. Obwohl das Fleisch recht billig war, war ich mit der Qualität völlig zufrieden. Ich schaute einfach in die Runde und ließ es mir gut gehen. Am Nachbartisch saßen zwei alleinstehende Damen, am Tisch gegenüber sogar 5 Damen mit 2 Kerlen. Sehr eigenartige Verteilung. Nach einer Weile stand ich auf und ging zum Barkeeper. Ich fragte, ob ich mein Bier auch an der Theke trinken kann. Er bejahte und ich blieb. Ich hatte die Absicht ihn ein wenig über das Abendprogramm der Favelinha auszufragen.

    - Wohnst du hier in der Favelinha?
    - Klar. Und du? Hab dich hier noch nie gesehen?
    - Ich wohne nebenan in Recreio.
    - Nichts los dort, nicht wahr?
    - So ist es. Deswegen bin ich hier. Vielleicht kannst du mir ja ein paar Tipps geben!
    - Hast du keine Angst? Hier kommt doch sonst keiner von euch her.
    - Muss ich etwa Angst hier haben?
    - Nein, aber ich kenne euch doch. Ihr habt doch alle Angst vor Favelas. Ihr denkt doch, dass hier nur Verbrecher und der Abschaum wohnen.
    - Na, na ... übertreib mal nicht!
    - Bist du Gringo?
    - Ja, Deutscher.
    - Ah ... fast hätte ich´s nicht gemerkt. (er lächelte spöttisch) Und was willst du hier?
    - Einfach nur ausgehen und mich ein bisschen vergnügen.

    Diesen Spruch hatte mir Grace auf unseren Touren durch einige Favelas Rios regelrecht eingetrichtert, so dass er bei mir mittlerweile wie aus der Pistole geschossen kam. Und prompt funktionierte er auch wieder ...

    - Dann geh mal die Strasse dort vorne rechts rein. Weiter hinten, wo die Kneipen sind, fragst du nach dem Forró. Der fängt so gegen 10 an. Hast also noch ein bisschen Zeit und kannst noch ein paar Bier bei mir trinken.
    - Prima. Stört´s dich, wenn ich hier an der Theke bleibe?
    - Du kannst bleiben, wo du willst. Ist deine Sache.
    - Machst du auch Caipirinha?
    - Klar.
    - Was für Cachaça nimmst du?
    - 51.
    - Nee danke, dann bleib ich lieber beim Bier. Vielleicht wird die Nacht lang und ich will einen klaren Kopf behalten.
    - (Er grinste) ... typisch für euch von „draußen“. Der billige Fusel ist für euch nicht gut genug. Wir trinken ihn, weil wir uns nichts Besseres leisten können und auch nicht wollen. Man gewöhnt sich eben an alles, wenn man muss.
    - Was soll ich sagen? Du hast Recht.
    - Wo arbeitest du? Bei der Petrobras?
    - Nein. Ich bin für ein paar Monate in dem neuen Stahlwerk in Sepetiba.
    - Sepetiba! Dort hatte ich mal eine Freundin. Aber auf die Dauer war mir das zu stressig. Ist zu weit weg.
    - Ja, die Fahrerei ist ziemlich übel. Aber was soll ich machen. Ich kann´s mir nicht aussuchen. Ist genau wie bei dir mit dem Cachaça.

    Ich bestellte noch ein Bier und danach flachte unser Gespräch ab. Ich schaute noch etwas in die Röhre, die in einem an der Wand montierten Gestell hing. Das Abendprogramm war das Übliche: Nachrichten, Novela und dann auch noch Big Brother. Es wurde Zeit, dass ich aus dieser Einöd verschwand. Ich zahlte die drei Biere und den Fleischteller und verschwand favela-einwärts ...

    Das Leben auf der Strasse war eigentlich wie auf dem Dorf. Man sah die teuren Apartmenthäuser nicht mehr, war von meist unverputzten Häusern mit schäbigen Metalltüren eingehüllt und wenn es nicht gerade nach Essen roch, hatte man den stechenden Schwefelwasserstoffgeruch eines der Kloaken in der Nase. Auf der Strasse herrschte selbst um diese Uhrzeit – es war kurz nach 10 – noch Hochbetrieb. Kinder rannten über die Strasse, Jugendlichen lungerten auf dem Bürgersteig herum und meist kleinwüchsige, dunkelhäutige Erwachsene unterhielten sich lauthals.

    An einem kleinen Geschäft, in dem auch noch um diese Zeit Uhren repariert wurden, fragte ich nach dem Forró. Der magere Mann mit dem unrasierten Gesicht machte keine großen Anstalten ein Gespräch mit mir anzufangen, sondern zeigte mir mit einem Wink, dass ich an der nächsten Gabelung rechts abzubiegen hatte. Ich befolgte seine Anweisung. Kurz nachdem ich in die Gasse einbog wurde ich von einer Horde herumlungernden Jugendlichen angequatscht. Ich verstand den Fragesteller nicht richtig und fragte deshalb sicherheitshalber noch mal nach, was er wollte. Aber ich hatte schon richtig verstanden ... er wollte mir etwas verkaufen. Und es war bestimmt keine Eintrittskarte für den Forró, den der war, wie ich kurze Zeit später feststellte, kostenlos. Er fragte, ob ich „bagulho“ wollte. Ich kannte das Wort ehrlich gesagt nur aus Filmen. Es bezeichnet eigentlich keine Art von Drogen, sondern bedeutet wohl einfach nur „Stoff“. Ich lehnte ab und fragte – wieder vorsichtshalber – ob ich weitergehen könnte. Die Jungs winkten nur ab ...“vai, vai,vai ... caralho.“ Bis zum Forró waren es dann noch einige Strassen, aber da ich nun mitten in der Favela war und dass auch vom Kontrolltrupp abgesegnet war, verspürte ich trotz dass ich allein unterwegs war, keinerlei flaues Gefühl im Magen. Ganz im Gegenteil – ich fühlte mich fast wie damals als ich vor der alten Sambaschule der Imperatriz am Fuße des Morro do Alemão stand. Aber der Vergleich hinkte natürlich, denn hier aus der Favelinha drang zumindest während meines Rio-Aufenthalts nie etwas Negatives in die Boulevardblätter vor, die es liebten von Mord und Totschlag auf ihrer Titelseite zu berichten.

    Der Forróladen war ziemlich klein und primitiv – eigentlich nichts besseres als eine Imbissbude mit einem Musikautomaten in der Ecke, über dem eine überdimensionale Box aufgehängt war, die nicht nur den Tanzladen, sondern auch gleich den Rest der Strasse mitbeschallte. Ich steuerte direkt auf die Theke zu und orderte ein Bier. Als ich in meine Tasche griff, merkte ich, dass ich nur noch einen 50-Reais-Schein bei mir hatte. Und den gewechselt zu bekommen, war meist ein größerer Akt. Bevor man sein Wechselgeld bekam, durchlief er die Hände aller Geschäftsinhaber der näheren Umgebung, bis dann einer von ihnen in die Gnade verfällt ihn zu tauschen. Nicht so in meiner Forróbude. Ohne zu murren bekam ich die 47 Reais Wechselgeld und die Flasche Antarctica ausgehändigt. Ich war also nicht gleich am Beginn negativ aufgefallen. Ich dachte mir, na ja, sicherlich wird sich das ändern, wenn ich der ersten Dame beim Forrótanzen auf den Füssen herumtrete.

    Ich liebte nämlich Forró zu tanzen, aber als steifer Mitteleuropäer kann man noch so viele Tanzstunden absolvieren - den Hüftschwung eines für brasilianische Verhältnisse mittelprächtigen Tänzers erreicht man nie! Ich wartete aber lieber erst mal noch eine Weile damit. Ich musste die Lage sondieren – wer zu wem gehört – und vor allem, wie meine Anwesenheit wahrgenommen wird. Es dauerte auch nicht lange bis eine der anwesenden Damen mich ansprach.

    - Du bist doch zum ersten Mal hier, oder?
    - Ja, mein Name ist Lemi. Und wie heißt du?
    - Mary.
    - Prazer ...
    - Prazer ...

    Mit dieser Höflichkeitsfloskel hatte sie sicher nicht gerechnet. Auch nicht damit, dass ich mich gleich mit Namen vorstelle. Sie wurde plötzlich weniger hart in ihrem Gesichtsausdruck.

    - Warum kommst du um Gottes Willen alleine hier her?
    - Ich habe noch keine Freunde. Bin neu hier in der Stadt.
    - Aber wieso hierher?
    - Weil ich gleich um die Ecke wohne. Und meine Nachbarn kriegen nicht mal ein „Guten Morgen“ raus, wenn ich ihnen im Fahrstuhl begegne. Wie soll ich mich mit denen anfreunden?

    Sie lachte. Ein paar Sekunden später stand ein etwas untersetzter Mann neben ihr. Er kam gerade vom Klo zurück und schaute argwöhnisch zu mir und seiner Frau, die sich gerade auf ein Gespräch mit einem fremden Mann namens Lemi eingelassen hatte. Ich wiederholte die gleiche Prozedur wie mit seiner Frau und stellte mich mit „Lemi“ vor. Ihm reichte ich noch die Hand.

    Auch er war sichtlich überrascht, vielleicht sogar verwirrt, über die für ihn wohl ungewöhnlich direkte freundliche Begrüßung. Ich erzählte ihm auch gleich, um nicht schon wieder dieselben Vorurteile zu hören, dass ich hier fehl am Platze sei, dass ich gerne tanze und keinen besseren Platz als den hier gefunden hatte. Sein fragender Blick durchbohrte mich trotzdem weiterhin und ich wusste natürlich warum: Ich stand da mit seiner Frau, so als wäre sie das von mir auserwählte „Opfer“. Ich wand mich aber relativ geschickt aus dieser Situation, in dem ich ihn fragte, ob es nicht eine ledige Dame hier gäbe, die nach einem Tanzpartner sucht. Er antwortete ziemlich flapsig „Frag doch meine Frau. Die kennt die Garotas hier besser als ich!“ Somit hatte ich mir wieder das Recht erworben, mit seiner Frau Mary zu quatschen, was mir sowieso lieber war. Aber die merkte auch, dass ihr Typ gerade dabei war seine Laune zu verschlechtern, weswegen sie mir mit zwei, drei Worten klar machte, dass ich mich an die Dame in den schwarzen Hotpants halten soll.

    Ich war etwas überrascht. Ausgerechnet sie war nämlich die Hübscheste der anwesenden Damen auf der immer noch übersichtlich gefüllten Tanzfläche des Favela-Forrós. Ich wurde etwas zögerlich, wollte sie nicht gleich so direkt anquatschen. Irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, dass ausgerechnet die am meisten meinem Geschmack entsprechende Dame hier ohne Anwärter sein sollte.

    Ich beobachtete sie ein wenig. Sie war mittelgroß, hatte eine ziemlich dunkle, aber keinesfalls schwarze Hautfarbe und sehr runde Gesichtszüge. Ihre Haare waren nach hinten zusammengebunden und offenbarten ihre afrikanischen Wurzeln. Sie waren trotz reichlich Gel noch sehr drahtig. Ihre Augen waren wie bei fast allen Brasilianern kastanienbraun und leicht mandelförmig. Unter ihrer recht losen Bluse verbarg sich offenbar ein mittelgroßer Busen. Gleiches konnte man von ihrem Hintern sagen, der weder zu klein noch zu groß geraten war. Ihre Bewegungen waren nicht besonders elegant, eher sogar etwas tapsig. Es sah so aus als hätte sie Schwierigkeiten in ihren Absatzschuhen zu laufen. Markant war ihr Lachen. Und sie lachte fast die ganze Zeit, in der ich sie beobachtete. Offenbar kannte sie jeder in der Bar und ich hatte den Eindruck als wäre allein sie für die gute Laune in dem Laden verantwortlich.

    In den letzten 15 Minuten, in denen ich sie beobachtet hatte, war ich wohl der Einzige, mit dem sie nicht geplaudert hatte. Doch meine Stunde kam noch und sie kam überraschend. Ich brauchte nicht einmal lange zu warten.

    Ich hielt mich wie üblich an meinem Bier fest, als die Dame in Schwarz direkt vor mir herumtänzelte und verführerisch lächelnd genau in meine Richtung schaute. Ich schnallte es nicht gleich. Aber es war eine direkte Aufforderung mit ihr zu tanzen. Ich raffte mich auf, denn schließlich war es ja genau das, was ich wollte ... mich vergnügen. Und genau das hatte ich ja auch bei der Eingangskontrolle als „Besuchsgrund“ angegeben ...

    Die ersten Tanzschritte trampelte ich natürlich ungeschickt wie ein Pferd auf ihren Füßen herum. Doch ich fand den Forró-Rhythmus – graças a Deus relativ schnell wieder. Er war ja auch denkbar einfach: Eins-Zwei-Drei-Eins-Zwei-Drei ... wobei der dritte Schritt kurz und schnell ausgeführt wurde. Ich glaube, genau dieser schnelle Rhythmuswechsel zwischen zwei Schritten macht uns Europäern zu schaffen. Über den Hüftschwung und das uns fehlende zusätzliche Hüftgelenk, was man zum erotisch anmutenden Tanzen braucht, schweige ich mich lieber vorbeugend aus. Die Gefahr wäre zu groß, dass ich wieder ins Schwärmen über die Passistas aus den Sambaschulen Rios gerate. Ja, ja und das gilt sowohl für Weiblein als auch Männlein. Auch wenn Letztere nicht immer so gepolt sind, wie man es für normal hält. Aber lassen wir das. Dieses Thema hatte ich bereits bei meinem ersten Rio-Aufenthalt überstrapaziert. Ja, Rio hat eine große Schwulenszene. Und ja, die Sambaschulen sind voll von ihnen. Und wenn mir jetzt nicht noch etwas Besonderes in Sachen Homosexualität passiert, werde ich das Thema sicherlich nicht mehr anfassen.

    Ich weiß auch überhaupt nicht, wie ich darauf komme. Ich hatte gerade eine recht attraktive junge Dame in meinem Armen und hatte alle Hände voll zu tun, meine Beine zu koordinieren. Und zwar so, dass ich weder mich noch mein Heimatland blamierte.

    Endlich hatte ich mich mit der ganzen Tanzerei soweit im Griff, dass ich sie auch mal etwas fragen konnte. Schnell bekam ich heraus, dass sie Rosa hieß und 21 Jahre alt war. Das war genau die Hälfte meines Alters! Ich hätte sie ehrlich gesagt ein paar Jahre älter eingeschätzt und als ich ihr mein Alter beichtete, sagte sie mir glücklicherweise das Gegenteil. Sogesehen passten wir trotz des großen Altersunterschieds auf dem Papier nun doch wieder etwas besser zusammen.

    Vorläufig tanzten wir noch den Forró-Grundschritt und nachdem ich ein paar Worte mit Rosa gewechselt hatte, wollte ich ihr auch noch den Rest zeigen, den ich in der Forró-Tanzstunde vor etlichen Jahren gelernt hatte. Doch Rosa wollte nicht. Stattdessen zog sich mich etwas fester an sich heran und flüsterte mir ins Ohr: „Lemi ... so tanzt man Forró!“ Ich bemerkte, dass die Rose – genau dies bedeutete nämlich ihr Name in Deutsch – keine Stacheln hatte, sondern eine sehr weiche und glatte Haut.

    Fortsetzung folgt ....
    Geändert von Lemi (6. April 2010 um 17:27 Uhr)
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  6. #6
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    Standard Samarco

    Salü Lemi,

    habe die letzten Tage einen Baustellenmensch von Deiner Baustelle in Anchieta kennen gelernt, heisst Stefan. Hast Ihn in Brasilien aber nicht so rechtig eingeführt, er ging ledig nach Europa zurück. Hättest Ihm wenigestens eine Ehefrau mischeln können.

    Gruss

    Felix

 

 
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