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Genug von Brasilien: Ich hab irgendwie genug von Brasilien : Brasilien ist nicht mehr prickelnd, deshalb überleg ich mir zurück nach Deutschland zu gehen. Es gibt nicht den einen absoluten Grund dafür und ist eher eine Bauchentscheidung. Trotzdem ist es die Summe dieser Kleinigkeiten, die mich zu dieser Entscheidung drängen. 1. Preisniveau seit
  1. #1
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    Standard Genug von Brasilien

    Ich hab irgendwie genug von Brasilien:

    Brasilien ist nicht mehr prickelnd, deshalb überleg ich mir zurück nach Deutschland zu gehen.

    Es gibt nicht den einen absoluten Grund dafür und ist eher eine Bauchentscheidung. Trotzdem ist es die Summe dieser Kleinigkeiten, die mich zu dieser Entscheidung drängen.

    1. Preisniveau
    seit 2001 ist Brasilien um mind. 50% teurer geworden, wenn das so weiter geht, ist es wirklich bald teurer in BR als in D. Außer dem Grünzeug auf dem Markt ist schon heute einiges teurer. Ist etwas billig ist es auch mit Sicherheit Schrott. Für einen neuen Fiesta zahlte man 2002 21000R$, heute kostet er 35000R$. In D bekommt man einen unter 10000 € und dann mit besserer Technik und mehr Ausstattung. Gebrauchte Autos meiner Zielgruppe kosten in BR doppelt soviel wie in D. Möbel sind teurer als in D wenn man nicht gerade casas bahia kauft.

    2. Schulen
    Meine Tochter geht in eine Privatschule, die zwar nicht die Welt kostet, aber auch nicht unbedingt toll ist, auch wenn das viele in BR glauben. Eine Privatschule in BR ist auf keinen Fall besser als eine Schule in D. Die Englischlehrerin kann selbst kein Englisch und es werden nur Vokabeln gelernt, Aussprache ist unter aller Sau. Dazu kostet die Schule schon wieder 10% mehr plus der desconto bei rechtzeitiger Zahlung von 5% wurde abgeschafft. Man braucht aufgrund der Entfernungen noch einen privaten Schulbus, wenn man nicht selbst als Taxifahrer der Kinder degenerieren will. Eine öffentliche Schule im Süden war uns lobend angepriesen, die war zwar nett aber gelernt hat meine Tochter dort nicht viel, eher hat sie das vergessen was sie schon konnte.

    3. Wohnen
    Im Süden hab ich schön in der Natur, aber weit außerhalb der Stadt gelebt, ohne Mauern und Elektrozaun. Jetzt zurück im NO wohn ich im Condo, alles gepflegt, kein Lärm etc. aber eben nicht mein Ding. Kontakte zu Mitbewohnern beschränken sich auf 'tudo bom'...der ach so kontaktfreudige Brasi wohnt sicher nicht im Condo.

    4. Umgebung
    Hier wird jedes freie Grundstück zugemüllt, spazierengehen wie ich es aus D kenne gibt es nicht, man fährt mit Auto von A nach B, sitzt dort in eine Bar usw. Ausflüge in die Natur mit Picknickkorb gibt es nicht, macht niemand, maximal die farofeiros die ihren pinga mit an den Strand schleppen.

    5. Verkehr
    Der Brasilianer mutiert sobald er ins Auto steigt. Aggresiver, schneller, dümmer und besoffen heißt die Devise. Man kann seine Kinder nicht alleine raus lassen. Rad fahren, alleine zur Schule gehen : Fehlanzeige

    6. Essen
    Ich bin zwar nicht sehr anspruchsvoll, aber Fleisch+Reis+Bohnen ist nicht mein Traum, koche gerne und sorge so für Abwechslung. Zutaten für viele Gerichte lass ich mir aus Deutschland schicken, Preise für normale Lebensmittel sind sicher billiger als in D, aber die Auswahl ist so beschränkt und jede Kleinigkeit die darüber hinausgeht ist sauteuer, so kostet ein winziges Glas Pesto 18 R$. Spaghetti die nicht nur zu Matsch verkochen kosten 5-6 R$. Guter Wein aus ARG oder Chile ist teuer, das Bier geschmacklos aber hinnehmbar. Über Backwaren/Wurst brauch ich nichts sagen. Wie Sauerkraut schon schrieb, jeder Aldi ist ein Delikatessengeschäft verglichen mit Brasilien.

    7. Immobilien
    Man kann zwar in BR billigere Häuser kaufen als in D, aber die Ausführung ist auch eher mit einem Gartenhaus zu vergleichen, dazu ist alles hingemurkst. Wer damit leben kann bitteschön, aber für ein 65m² Häuschen fast 100000 Euro zahlen ist happig.

    8. Kontakte
    Es mag anderen anders ergehen, aber ich hab bisher keine Brasilianer kennengelernt die mich intelektuell fordern. Das ewige Getratsche um Fußball, Saufen, und die fofoca über Verwandte ist alles. Ich kann es nicht mehr ertragen und gehe bei einem Fest meist als erster ins Bett.

    9. Freizeit
    Alleine unternehm ich manchmal kleine Ausflüge, aber sobald die Meute der Verwandtschaft im Spiel ist, geht es nur noch in den üblichen Bahnen. Jedes Wochenende oder Fest wird bei einem anderen zusammengesessen und Bier getrunken bis zum Abwinken. Es ödet mich schon an wenn ich nur dran denke. Wenn es geht seil ich mich ab, mach ne kleine Radtour, geh fischen oder sonstwas.

    10. TV
    Daß immer und überall die Glotze läuft und meist viel zu laut ist auch nicht mein Ding. Über das Program muß man wohl kein Wort verlieren.

    11. Lärm
    Lärm machen ist die erste Bürgerpflicht. Normal reden geht bei manchen gar nicht, die schreien irgendwie immer. TV muß immer zu laut sein, der som auch. Dazu die bescheuerte Angewohnheit mit dem Autoradio das ganze Stadtviertel unterhalten zu wollen.

    12. Politik
    lassen wir mal weg, bringt nichts. Aber wer in D Politikverdrossen ist sollte mal nach BR kommen.

    13. Gesundheitssystem
    Im Süden waren die SUS zumindest hilfreich was Impfungen anging. Im NO mußten wir schon mal mit dem Baby zur emergencia mit 40,3°C. Es ist Glückssache ob sich jemand für den Patienten interessiert, vielleicht ähnlich wie in D. Aber in BR zahl ich 150 R$ und wenn die Behandlung nicht anspricht und ich 4 Stunden später nochmal hinmuß bezahl ich es nochmal. Ich spreche von privaten Einrichtungen, den SUS nehme ich bei sowas nicht in Anspruch und auch bei privaten Kliniken kann man mitunter 6 Stunden warten.

    14. Job
    Wenn ich in BR arbeiten müßte wäre ich gar nicht hier. Da ich international tätig bin, ist es fast egal wo ich wohne, aber ob BR das richtige Land ist frag ich mich schon länger.

    15. Wetter
    Im NO ist mir das Wetter zu schwül. Mir macht Hitze nicht sehr zu schaffen, aber wenn ich beim Frühstückskaffee Schweißausbrüche bekomme find ich das nicht toll. Im Süden war mir das Wetter angenehmer, aber zu wechselhaft, da könnte ich auch in England wohnen. Und daß ich mal Herbstlaub Schnee und die Stimmung des Frühling herbeiwünsche war mir schon klar, ewig grün ist eben langweilig.

    16. Unzuverlässigkeiten
    Daß man in BR nicht mal sich selbst trauen kann hat mir Neto schon erläutert. Trotzdem ist es mühsam sich immer wieder selbst vorzuwerfen, daß man dummerweise jemandem Glauben geschenkt hat und dann wie immer enttäuscht wurde. Am schlimmsten sind nicht die 1 Mann Firmen sondern alles darüber. So wird gemurkst ohne Ende und dann eine hirnlose Erläuterung mitgeliefert. OI, casas bahia, jegliches Geschäft mit Lieferservice...ich wünsche mir diese Abholmärkte wie wir sie in D aus den USA übernommen haben. Und wenn ich im Möbelgeschäft sage, daß ich das rack (Möbel unter dem TV) doch gleich selbst mitnehmen möchte wird das abgelehnt, nein das wird fabrikneu angeliefert und kommt aus dem Lager. Nach 5 Tagen wird es geliefert und als ich später nochmal in den Laden ging, war das Ausstellungsstück weg, das steht nämlich bei mir zuhause.

    17. Service
    Der Brasilianer hat den Servicegedanken nicht inne sondern glaubt er tue jemandem einen Gefallen. Dazu gibt es Erlebnisse wie unter 16.
    Internet ist langsam, unzuverlässig und teuer. Beim Möbel kaufen haben wir auch vieles erlebt, Unfähigkeit und Desinteresse beschreibt es am ehesten.

    18. Infrastruktur
    Wo das ganze Steueraufkommen in BR verschwindet ist jedem hier klar. Für öffentliche Infrastruktur ist das Geld dann knapp und wird gern für irgendwelche Feste ausgegeben, das gefällt dem Volk. Wenn das Abwasser offen die Straßen langläuft und irgendwo versickert stört das keinen, das war schon immer so. Daß die Wasserversorgung miserabel ist, ist doch normal. Gehwege kann man nicht zum gehen nutzen, da jeder Nachbar seine eigenen Ideen dort verwirklicht, mit Stufen und Absätzen daß man beim laufen stur auf den Boden schauen muß.

    19. Sicherheit
    Ist bisher für mich kein großes Thema, aber so Dinge wie Elektrozaun, Kinder läßt niemand alleine draußen rumlaufen, Häuser mit ner Berliner Mauer drum rum, sind nicht mein Ding. Ich wurde zwar auch mal in Rio ausgeraubt, war aber nicht schlimm. Wenn aber Jugendliche tagsüber auf der Straße mit ner Knarre unterm Hemd andere ausrauben dann find ich das nicht mehr lustig. Passierte der Tochter eines Freundes. Er selbst wurde auch schon von 2 bahianos am Strand mit Knarre überfallen und konnte sein Auto incl. aller WErtsachen abgeben. Wie gesagt, ich selbst sehe das noch viel lockerer als alle Bekannten, aber die Konsequenz in BR ist nicht daß etwas gegen diese Kriminalität gemacht wird, sondern daß man sich selbst beschränkt wo man sich noch hintraut.

    20. ???
    Was war eigentlich noch der Grund warum ich nach BR ging ??????
    jev, gringo, Ursinho4711 und 29 Andere sagen Danke.


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  2. #2
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    Standard AW: Genug von Brasilien

    @Popolado

    Ich wünschte es wäre nicht so, aber ich muß Dir aus meiner Sicht in nahezu allen aufgeführten Punkten 100 %ig zustimmen.
    Eigentlich ist man bescheuert hier zu leben oder leben zu wollen.

    Aber dennoch werde ich hier weitermachen ( 3 bis 6 Monate / Jahr ) und in ca. 8 bis 9 Jahren komplett übersiedeln, das tue ich nicht nur meiner Frau zu Gefallen, wir haben das Glück seitens meiner Frau in einer etwas anderen Familie leben zu können, die intelektuell tatsächlich Gesprächspartner sind und nicht nur wie von Dir beschrieben " abhängen ".

    Freundschaften mit Brasis außerhalb der Familie ist wirklich sehr schwierig, das war für mich in Rio wesentlich einfacher als in Natal - allerdings habe ich da mittlerweile auch mit zunehmendem Alter immer weniger Interesse.

    Wir haben uns vorgenommen ab dem Rentenalter so lange wie möglich ein paar Monate pro Jahr zu Reisen, USA, insbesondere Hawaii, Vietnam und Thailand, ein Cruzeiro/Jahr und jedes Jahr im Mai/Juni Meerforellenangeln mit meinen alten Angelfreunden in Dänemark - so wird es sich aushalten lassen.

    Zum Auswandern gibt es sicherlich mittlerweile wesentlich bessere Optionen als Brasilien !

    Was mich aber hier unter anderem hält und weiter halten wird :

    - das Leben am Meer war immer mein Traum, hier ist er Wirklichkeit geworden und es ist nur geiiiiiiiil !
    - das Drumherum gefällt mir, ich bin viel in der Natur, trinke abends gerne mal ein Bierchen, vorzugsweise an einem kleinen Churascinho an der Ecke - das ist Brasilien wie ich es liebe, noch dazu wenn dann ein gutes Fußballspiel läuft.
    - das Essen ist hier nicht so schlecht wie von Dir beschrieben, zumindest empfinde ich es nicht so - es gibt viele, viele Dinge die sehr lecker sind - und auch noch erschwinglich
    - weil ich mich hier, trotz der vielen und berechtigten Negativpunkte, überwiegend wohl fühle - das liegt sicher auch an meiner Frau, die zugleich mein bester Freund ist !
    Geändert von Surfistas (26. December 2010 um 19:52 Uhr)
    gringo, Ursinho4711, torti18 und 5 Andere sagen Danke.
    Alle sagten : " Das geht nicht ! " Dann kam Einer, der wußte das nicht - UND HAT ES GEMACHT !!!

  3. #3
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    Standard AW: Genug von Brasilien

    Auch wenn ich Popolado's Gedankengänge und Beschreibung nachvollziehen kann... mit Argumenten kann ich nicht fassen, was mich hier so fasziniert.
    Ich weiss nur, dass ich in Europa vor saudades eingehe. Das ist aber ein Bauch- und Herzgefühl, nichts was vom Verstand kommt.

    Hier gibt es auch noch ein Gefühl von Freiheit, Abenteuer und Wild-West... an einer Ampel mehr hübsche Frauen als in Dland an einem Tag, keine Tendenzen die Scharia einzuführen. Viele Kleinigkeiten halt, die sich aufsummieren.

    Eine Frage der Waagschale...
    Geändert von Ursinho4711 (26. December 2010 um 22:55 Uhr) Grund: ein "e" fhlt
    jev, gemic, torti18 und 7 Andere sagen Danke.
    Rio de Janeiro ist eine Drecksstadt...

  4. #4
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    Standard AW: Genug von Brasilien

    Popolado, in vielen Ansichten triffst Du den Nagel auf den Kopf aber bedenke auch, was
    Du in Brasilien scheust wirst Du heute auch in DE vorfinden... alleine das mürrisch rum-
    laufende Volk kann einen visuell krankmachen. Warum ich als großer Brasilienfan nicht
    meinen Vorruhestand dort verbringe ist ganz klar: die Kosten ansonsten freue ich mich
    auf 1-2 Reisen pro Jahr. Hilft ungemein "aufzutanken".
    Sorocabano, Surfistas und Ignaz sagen Danke.


  5. #5
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    Standard AW: Genug von Brasilien

    Oi Popolado,
    man merkt, es ist Weihnachten und alle Jahre wieder....................

    Nicht alle Jahre aber so alle 5-6 Jahre kommen mir so die gleichen Gedanken und man muss die Frage, ist man hier in Brasilien noch richtig, aufs neue stellen (Brasilienkoller) und neu abwägen. Ich lebe jetzt 16 Jahre in Brasilien mit einer Unterbrechung von 4 Jahren, wo ich dann mit neuer brasilianischer Lebenspartnerin und heutiger Frau in D gewohnt habe, aber jedes Jahr 4-5 Monate in Brasilien war.

    Bei allen deinen 19 Punkten muss ich dir Recht geben, ein paar wie Kinder, Schulausbildung etc. fallen bei mir nicht an, einige andere, Nachbarn, Wohnsituation, Außenkontakte treffen mich nicht so oder ich schotte mich automatisch dagegen ab.
    Was übrig bleibt, muss in die Waagschale, z.b. die Gesundheitsfürsorge, die meiner verstorbene deutsche Frau arg zugesetzt hat, die Sicherheit, die Unzuverlässigkeit etc.

    Dagegen bleibt auf der anderen Seite natürlich das bessere Wetter, grade wenn D jetzt in Schnee und Eis erstickt, die Landschaft, die Ausflüge, die Reisen und zuletzt mein Beruf, dem ich hier als Expat, angestellt bei einer deutschen Firma fröne. 16 Jahre positive Entwicklung in der Stahlindustrie in Brasilien, keine echte Flaute, keine Kriese, Geschäfte, die sich wie früher in Europa noch lohnen und eine Wertschätzung unserer deutschen Produkte, die es heute kaum noch woanders gibt, höchstens in Asien.
    Logisch, dass ich mir derzeit wenig Gedanken über die hohen Preise in Brasilien mache und warum ich das Land fröhlich und ausgiebig bereisen kann. Somit ist die Waagschale derzeit klar in Richtung Brasilien geneigt.

    Was aber bei uns zur gleichen Überlegung wie bei Popolado führt ist in meiner Brasilianischen Frau begründet. Sie ist begeisterte Brasilianerin, die 4 Jahre in Deutschland haben ihr aber einen anderen Blickwinkel auf ihr eigenes Land gegeben. Sauberkeit, Ordnung, Sicherheit sind Elemente, die auch für eine Frau zählen, dazu der Respekt, den man in D einer Frau entgegen bringt und die besseren beruflichen Aufstiegschancen.

    Ich stehe kurz vor der Ruhephase der Altersteilzeit und damit werden sich für uns die finanziellen Verhältnisse doch erheblich ändern. Um unseren Lebensstandard beizubehalten müssten wir unseren Aufenthalt aus Drittmitteln mit finanzieren, was eine Konsequenz der stark gestiegenen Preise in Brasilien ist. Nicht dass wir uns das nicht leisten könnten, aber es fehlt halt damit ein Pfund in der Waagschale und da sieht es in Europa halt anders aus. Und Leben in Brasilien mit Einschränkungen, nein Danke.

    In Deutschland ist für mich und meine Frau die Gesundheitsvorsorge erheblich besser, was in meinem Alter nicht unerheblich ist. Und das Reisen ist auch bequemer, macht mal 15 Tage China-Rundreise oder 14 Tage Nil - Kreuzfahrt von Brasilien aus, und preiswerter. Und Ziele in Europa gibt es auch genug.

    Also stellt sich auch für uns in absehbarer Zeit die Frage, bleiben oder zurück, wobei wir die Unabhängigkeit haben und jederzeit neu zu entscheiden, was uns ein wenig den Druck nimmt. Dazu habe ich vor meiner Brasilien-Tätigkeit in Frankreich gelebt und es war schon immer ein Traum, in Südfrankreich oder in Süd-Tirol zu leben und den ganz kalten Frost zu entfliehen. Meine Frau trägt dass voll mit.

    Hoffen wir, dass das bei dir nur der temporäre Brasilienkoller ist, der uns von Zeit zu Zeit packt und du das überstehst.
    Eine Rückkehr nach Deutschland ist auch nicht ohne und D ist nicht mehr dass, was wir vor 16 Jahren mal hinter uns gelassen haben. Aber auch nicht so schlimm, wie es manchmal hier geschrieben wird ist Deutschland nicht.

    Viele Grüße
    Tiradentes

    PS: wäre ich allerdings nicht verheiratet, gäb es allerdings tausend andere Gründe in Brasilien zu bleiben, irgendwo am Meer......aber diese Träume hat mir meine brasilinische Frau schon ausgetrieben (Gott sei Dank)
    gringo, Ursinho4711, Seebaer und 5 Andere sagen Danke.

  6. #6
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    Standard AW: Genug von Brasilien

    Die ersten Reaktionen auf das Thema sind zum Glück nicht der Art: das hättest Du doch vorher wissen können.....kann man nämlich nicht.

    Ich habe in den 80/90ern schon mal im Ausland gelebt und gearbeitet und hatte nach ein paar Jahren genug davon und bin für 8 Jahre nach Deutschland zurück. Ich kenne also auch die Probleme des Heimkehrers. Zu Anfang war ich ganz begeistert von dem toll organisierten Land das ich antraf, der Streß bei der Arbeit hat dann einiges relativiert. So fehlt es in D vor allem an der Zeit das Leben zu geniesen. Das hoffe ich das nächste mal anders zu machen.

    Brasilien hab ich mir nicht zum Leben ausgesucht, sondern bin irgendwie so reingerutscht als wir nach einem Projekt für ein halbes Jahr nach Brasilien wollten und daraus 3 Jahre wurden. Früher hab ich oft so ein halbes Jahr in BR verbracht und bin dann wieder nach D oder sonstwohin, war also eher Langzeiturlauber als resident.

    @surfistas
    genau wie Du es planst bin ich in BR hängen geblieben. Viele lange Urlaube und dann aufgrund eines Zufalls blieb ich da, war meiner Frau zu Anfang ganz Recht, außerdem haben wir mal in SC gelebt und das andere Brasilien kennengelernt, das gar nicht so anders ist als viele glauben.

    Ans Rentenalter zu denken fand ich immer seltsam, besonders als ich 1985 die Exmatrikulation nach meinem ersten Studium beantragte und mir die Frau im Rektorat nahelegte ich solle die Studienzeiten für meine Rente melden. Heute denke ich auch noch anders darüber als die Mehrheit, lebe und reise lieber jetzt und bin dann als Rentner etwas bescheidener, als mir den Buckel krumm zu ackern und dann mit kaputter Gesundheit doch nichts mehr anstellen zu können im Alter. So habe ich in den letzten 5 Jahren nur 1 J. gearbeitet, in den letzten 10 waren es immerhin 4. Insofern hat mir Brasilien mit seinem unbekümmerten Leben schon gefallen, aber irgendwie ist das jetzt nicht mehr so prickelnd.

    Am Meer hab ich auch schon immer wohnen wollen, das hab ich auch genossen, wobei ich auch mal 2 Jahre auf einer Insel im Atlantik lebte, war mal was anderes und heute weis ich warum isolado von isola (Insel) kommt. Das einzig neue Hobbie in Brasilien ist so auch das Fischen, meist mit feiticeira, auch mal tarrafa, wenig mit der Angel. Mein interessantester Gesprächspartner war dann auch derjenige der mich zum Fischen brachte.

    Das Essen ist nicht schlecht in Brasilien, es gibt aber einfach zu wenig internationalen Einfluß, asiatische Küche fehlt mir besonders, das chop suey und indische Gerichte koche ich dann halt selbst, aber was ich in Asien so liebte, waren die kleinen Gerichte mit dieser unglaublichen Vielfalt an Zutaten.

    @ursinho
    Mein Prof an der Uni hat es mir schon als Student profezeit, daß einem in Deutschland die Luft zum Atmen fehlt, wenn man mal in der Welt rumgekommen ist. Schöne Frauen gibt es auch in anderen Ländern, aber bin das zweite mal verheiratet und meine wilde Zeit liegt schon lange hinter mir. Außerdem ist Brasilien nicht das einzige Land mit schönen Frauen (die werden hier auch immer dicker), ich lebte mal in Äthiopien...

    @gemic
    die Miesepeter in D sind mir gleichgültig. Man muß sich überall seine Freunde selbst aussuchen und mit denen leben die einem zusagen, die Allgemeinheit hat sicherlich einen Einfluß, so würde ich nie mehr in einem arabischen Land leben wollen.

    @Tiradentes
    Ein Freund im Einzelhandel sagte mir einmal, die Stimmung in Deutschland sinkt wenn der Sommer vorbei ist und die grauen Herbsttage anfangen.

    Das Wetter ist sicher ein Pluspunkt, aber wenn ich sehe was die Leute hier draus machen. Eigentlich flüchten alle vor der Sonne. In Deutschland legt sich im Sommer das Volk in die Parks und Grünflächen, jeder geniest das schöne Wetter. Hier flieht man vor der Hitze, der brennenden Sonne. Alles muß AR haben...

    Meine Bedenken sind sicherlich auch wegen meiner Kinder heute mehr gegen Brasilien als früher gerichtet. Die Schulen, Chancen bzw. Kosten zu studieren, die Berufschancen und vor allem die Freiheit als Jugendlicher die ich in Deutschland genossen habe, Radtouren mit 14, alleine mit dem Moped in Urlaub fahren, das geht alles hinter den Condomauern verloren und der Horizont der Jugendlichen oder jungen Erwachsenen hier in Brasilien ist erbärmlich. Meine Neffen haben keinerlei Interessen, hängen einfach nur rum. Klar jeder hat mal so eine Phase, aber ich kenne die jetzt fast 10 Jahre und will nicht daß meine Kinder mal so groß werden und das Leben nur aus den novelas kennen.

    Das Thema Reisen ist für mich auch immer wichtig gewesen, schon als Kind träumte ich davon mal im Ausland zu arbeiten. Doch Europa ist sicher interessanter und für Jugendliche bietet es alles, in Brasilien reist man maximal zu einem Verwandten. Alleine macht der Brasilianer auch nichts.

    Wenn ich denen hier erzähle was ich früher als Student alles angestellt habe, begreifen die das gar nicht.

    Brasilien war für mich ein Traum als ich es 2001 bereiste und meine heutige Frau kennenlernte. Heute ist es Alltag, von zufälligen Gesprächen erwarte ich nichts mehr, TV schau ich nie, Zeitungen les ich maximal die veja, und irgendwie hab ich so langsam das Gefühl das Leben geht an mir vorbei.

    Hätte ich nicht 2 Kinder, so würde ich jedes Jahr meine freie Zeit mit meiner Frau in einem anderen Land in Asien-Afrika-Amerika verbringen. Das geht leider nicht, und wenn meine Kinder einmal groß sind ist es für mich evtl. nicht mehr so interessant. Hab an meiner alten Mutter mitverfolgt wie das Interesse sich in fremden Situationen zurechtzufinden mit dem Alter abnimmt, also bis 75 kann man schon noch reisen, mit 85 ist es dann aber schon mühsam. Deshalb lieber vor der Rente, wobei ich sowenig kriegen werde, daß es eh ein Witz ist, aber das ist ein anderes Thema.

    Vielleicht legen wir uns einfach ein kleines Strandhaus zu in dem wir ab und zu den Urlaub verbringen können und auch im Alter dem Winter aus Europa entfliehen, aber für immer und ewig will ich nicht in Brasilien leben.

 

 
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