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Mein großes Brasilienabenteuer - Habe ich alles richtig gemacht?: Keine Ahnung, wo das Foto herstammt. Mein erster Gedanke war nur: "Weisser Mittelstreifen? In Brasilien sind die doch gelb, oder?" Aber er ist ja erst kurz vor Brasilien ... In Sachen CPF oder auf gut deutsch "Steuernummer" bin ich gerade über eine Episode aus meinem neuen Buch gestolpert, die die
  1. #55
    Moderator
    Registriert seit
    28.10.2003
    Ort
    Belo Horizonte
    Beiträge
    1.633

    Standard AW: Mein großes Brasilienabenteuer - Habe ich alles richtig gemacht?

    Keine Ahnung, wo das Foto herstammt. Mein erster Gedanke war nur: "Weisser Mittelstreifen? In Brasilien sind die doch gelb, oder?" Aber er ist ja erst kurz vor Brasilien ...

    In Sachen CPF oder auf gut deutsch "Steuernummer" bin ich gerade über eine Episode aus meinem neuen Buch gestolpert, die die Wichtigkeit einer solchen Nummer zeigt:


    "Wir kamen am Werkstor an. Was ich sah, war eine gute Einstimmung auf das,
    was während der Inbetriebnahme auf mich zukommen sollte. Ich sah acht
    Arbeiter auf einer Minibaustelle im Eingangsbereich des Werkstors. Der Boden
    war aufgewühlt, und ich hatte den Eindruck, dass man die Straße asphaltieren
    wollte. Man musste jedoch reichlich Fantasie mitbringen, um festzustellen, dass es
    sich wirklich um Arbeiter handelte. Zumindest hatten sie Arbeitsbekleidung an und
    einen Helm auf dem Kopf. Doch das war es eigentlich schon. Vier der Typen
    stützten sich auf ihre Schaufel, um nicht umzufallen. Drei andere Arbeiter waren
    in ein sicherlich nicht besonders tiefsinniges Gespräch über das gestrige Fußballspiel
    zwischen Flamengo und Vasco vertieft. Ihre Arbeit vergaßen sie dabei natürlich völlig,
    was aber niemanden so richtig störte. Eine Aufsichtsperson war weit und breit nicht
    in Sicht. Die achte und letzte Person hatte eine höhere Qualifikation. Er war der Fahrer
    eines Bobcats. Er hatte es geschafft, unter der knallenden Sonne im sicherlich nicht
    besonders gemütlichen Käfig seines Fahrzeugs mit offenem Mund einzuschlafen.
    Momentan konnte ich noch darüber lachen.

    Ich zuckte meinen Werksausweis und musste feststellen, dass er blockiert war.
    Dies passierte normalerweise, wenn man gegen die Sicherheitsregeln des Werks
    verstoßen hatte. Da ich seit zehn Monaten nicht mehr im Werk war, konnte ich
    diese Möglichkeit prinzipiell ausschließen. Irgendetwas anderes musste passiert sein.
    Ich kam nicht darum herum, mich an der Besucherrezeption zu präsentieren. Bis ich
    an der Reihe war, verging eine geschlagene Stunde. Zwischenzeitlich drückte mir die
    Blase, und ich erinnerte mich recht schwach, dass es gleich neben der Rezeption ein Klo gab.
    Ich ließ mein Chef allein in der Warteschlange zurück und ging in Richtung Klo. Doch es war
    verschlossen. Als ich nach einem anderen Klo suchte und schon in Erwägung zog, das Damenklo
    zu benutzen, tippte mich ein uniformierter Wachposten an. Obwohl er nur die Leute am Werkstor
    kontrollierte, hatte er einen Revolver beträchtlichen Kalibers und jede Menge Munition in seinem
    Gürtel stecken. Ich bekam Respekt.

    Unerwartet förmlich wurde ich von ihm darauf hingewiesen, dass ich, bevor ich den Toilettenschlüssel
    von ihm ausgehändigt bekäme, ein Formular ausfüllen musste. Ein Formular für die Lizenz zum Pinkeln.
    Ich dachte, ich höre nicht richtig. Als ich das Formular dann sah, wunderte ich mich. Außer meinem
    Namen, Geburtsdatum, Firmenzugehörigkeit fragte man nach meiner Steuernummer. Man konnte
    als nur mit Steuernummer hier pinkeln. Unglücklicherweise hatte ich meine Steuernummer aber nicht
    bei mir. Die Liste zeigte mir, wer alles vor mir pinkeln war. Die Toilette hatte erstaunlich internationales
    Publikum. Ich sah, dass die Steuernummern in der Liste alle zehn Stellen hatten. Ich beschloss kurzerhand,
    eine zehnstellige Steuernummer zu erfinden und so meinem Blasendruck Erleichterung zu verschaffen.
    Ich brauchte diesen verdammten Schlüssel. Ich dachte wieder an die Pistole des Wachpostens und
    dass er mich, wenn er wirklich dienstbeflissen war, nach meiner Steuerkarte zum Gegencheck meiner
    im Formular angegebenen Informationen fragen könnte. Sicherlich würde er nicht gleich schießen,
    wenn er meinen Betrug feststellen würde, aber meine Besprechung in der Sinteranlage konnte ich
    dann sicherlich abschreiben. Doch es kam anders. Nachdem er einen kurzen Blick auf das Formular
    geworfen und zufrieden festgestellt hatte, dass alle freien Felder von mir ausgefüllt worden sind,
    bekam ich anstandslos den Schlüssel in die Freiheit – die Freiheit pinkeln zu dürfen.

    Als ich erleichtert in die Warteschlange an der Rezeption zurückkehrte, sah ich, dass mein
    Chef schon an der Reihe war. Etwas respektlos schlängelte ich mich durch die neu gebildete
    Warteschlange und hoffte darauf, dass man mich gemeinsam mit meinen Chef abfertigen würde.
    Glücklicherweise klappte das reibungslos. Von der zierlichen, jungen Dame erfuhren wir, dass
    nicht nur unser Werksausweis blockiert war, sondern unser Gesundheitszeugnis abgelaufen war.
    Um ins Werk zu kommen, bräuchten wir ein neues. Dies hieß klipp und klar, wir mussten zum Arzt.
    Unsere Besprechung, die auf 11 Uhr angesetzt war, hatte vor drei Minuten begonnen. Dies alles
    wäre kein Problem, wenn wir jetzt ins Werk herein könnten. Doch wir mussten vorher noch zu einem Arzt!
    Selbst im optimistischsten aller möglichen Fälle würden wir mindestens eine Stunde verlieren.
    Wahrscheinlicher waren eher zwei oder drei. Eine andere Lösung musste her.

    Ich rief Simone, unsere Baustellensekretärin, an und schilderte ihr unsere aussichtslose Notlage.
    Zum Glück war sie nicht so aussichtslos, wie sie mir erschien.

    Simone hatte eine blendende Idee. Sie lieh sich die Werksausweise zweier männlicher Kollegen und kam zum Werkstor gefahren.
    Simone wies uns an, möglichst unauffällig zu agieren und uns in eine Ecke zu positionieren,
    die vom Wachpersonal nicht eingesehen werden kann. Fünf Minuten später überreichte uns Simone
    die schmuddeligen Werksausweise. Mit etwas Kribbeln im Bauch und dem großkalibrigen Revolver
    des Wachmanns im Hinterkopf überquerten wir die Grenze ins Innere des Werksgeländes. Alles lief perfekt.
    Ich kam mir vor, als wäre ich gerade von einem mexikanischen Menschenschmuggler über die Grenze
    nach Arizona geschleppt worden.
    "
    Geändert von Lemi (5. August 2011 um 11:11 Uhr)
    Tiradentes und frankieb66 sagen Danke.
    Man sieht sich,
    in der Unterschicht.



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  2. #56
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    12.05.2005
    Ort
    Belo Horizonte
    Beiträge
    436

    Standard AW: Mein großes Brasilienabenteuer - Habe ich alles richtig gemacht?

    Also doch nicht "das echte Brasilien zeigen" sondern "das echte Brasilien wo aber noch ne asphaltierte Strasse hinführt zeigen".

    Na hoffentlich machen sich die Sponsoren (Mami und Papi?) nicht doch noch für den Rest ihres Lebens Vorwürfe...
    Geändert von sefant (8. August 2011 um 01:05 Uhr)

  3. #57
    Benutzer
    Registriert seit
    18.01.2010
    Beiträge
    40

    Standard AW: Mein großes Brasilienabenteuer - Habe ich alles richtig gemacht?

    Und ich Idiot mach mir noch die Mühe den Thread im anderen Forum zu beantworten (hatte den hier nicht gesehen): Mein großes Brasilienabenteuer - Alles richtig gemacht? : Tipps für den Alltag - 2 as grosse Forum der Freunde Brasiliens

    Naja, vielleicht schaut der TE ja noch mal rein, bevor er alles so umsetzt wie er es sich gedacht hatte. Wurden seine "Sicherheitsvorkehrungen" eigtl. noch mal diskutiert oder nach der ersten Kritik von sefant einfach so hingenommen? Eine Freundin von mir aus Rio konnte sich vor Lachen jedenfalls nicht mehr einkriegen, als ich ihr hiervon erzählte.
    Geändert von thee (22. August 2011 um 20:51 Uhr)

  4. #58
    Moderator
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    Ort
    Belo Horizonte
    Beiträge
    1.633

    Standard AW: Mein großes Brasilienabenteuer - Habe ich alles richtig gemacht?

    Zitat Zitat von n0ne Beitrag anzeigen
    Noch ein paar km bis zur Grenze...

    Vielen Dank für eure Hilfe!

    Wenn es vor 3 Wochen nur noch wenige km´s bis zur Grenze waren, denke ich mal, dass du jetzt durch bist, oder?

    Gibts was Neues oder steht das Auto immer noch so wie auf dem Bild am Strassenrand?
    Man sieht sich,
    in der Unterschicht.


  5. #59
    Moderator
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    Beiträge
    4.385

    Standard AW: Mein großes Brasilienabenteuer - Habe ich alles richtig gemacht?

    Zitat Zitat von Lemi Beitrag anzeigen
    Gibts was Neues oder steht das Auto immer noch so wie auf dem Bild am Strassenrand?
    ...oder er steht dort ohne Auto am Straßenrand?

    Spass, beiseite.... in Uruguay gibbet bestimt noch kein Internet, oder das BRASIL-web wird dort gefiltert..
    Rio de Janeiro ist eine Drecksstadt...

 

 
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