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"Abstauben in Rio de Janeiro": Es ist natürlich einfach, mit dem Finger auf einen Großkonzern zu zeigen. Vor allem, wenn es noch ein Chucrute ist. Effektiver und sauberer wäre es, gerade in Rio, vor der eigenen Haustüre zu kehren. -Partikelfilter für Dieselmotoren -Vermeidung von Plastikmüll und -keine wilde Müllverbrennung -Schlote wie die A12- São Paulo
  1. #7
    Moderator
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    29.03.2004
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    Rio/Saarland/Schwaben
    Beiträge
    4.385

    Standard AW: "Abstauben in Rio de Janeiro"

    Es ist natürlich einfach, mit dem Finger auf einen Großkonzern zu zeigen. Vor allem, wenn es noch ein Chucrute ist.
    Effektiver und sauberer wäre es, gerade in Rio, vor der eigenen Haustüre zu kehren.
    -Partikelfilter für Dieselmotoren
    -Vermeidung von Plastikmüll und
    -keine wilde Müllverbrennung
    -Schlote wie die A12-São Paulo außer Dienst stellen
    -allgemeines Umweltbewußtsein förden (Schule, Erziehung)

    Gerade wenn ich mir die Armada von Bussen, LKW und Vans angucke, die ihre Emissionen in dunklen Wolken herausjauchen, so kann ich mir schwer vorstellen, dass das Werk einen solch großen Einfluss auf die Stinkeluft abseits der Zona Sul haben soll.

    Schon bevor das Werk angelaufen ist, konnte man von Niteroi aus schön die Dunstglocke über Rio sehen...
    Rio de Janeiro ist eine Drecksstadt...


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  2. #8
    Erfahrener Benutzer
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    10.09.2008
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    Maceió
    Beiträge
    2.671

    Standard AW: "Abstauben in Rio de Janeiro"

    Ich kann nicht beurteilen, wer, wo, wann geschlamt hat, dass jetzt sogar der Standort angezweifelt wird. Sowas muss im Vorfeld ausgeraeumt werden und danach zaehlt oder sollte nur noch zaehlen, ob der Bau nach den vorher eingereichten Unterlagen ausgefuehrt wurde oder eben nicht und das sollte weltweit so gelten.

    Traurig ist, dass - wer auch immer Schuld hat - es durch so einen massiven Vorfall schwierig wird, andere Investitionen aus dem Ausland "an Land zu ziehen". Ich bin sicher, dass z.Bsp. BMW die Stahlwerknummer genau im Auge behaelt, genauso wie die absolut investitionsfeindliche Nichtregelung bis zum Jahresende - wie vorher versprochen - fuer die Ausnahmeregelungen der 30%-Erhoehung der Steuer, fuer KFZ-Produzenten, wie z.Bsp. BMW, die ein Werk in Brasilien aufmachen wollen.

    Aber wie schon erwaehnt: ch kann nicht beurteilen, ob Thyssen sich mit lascheren Umweltauflagen oder entsprechenden Korruptionszahlungen ueberdurchschnittlich bereichern wollte oder eben nicht. Solche Zahlungen im Ausland waren ja mal steuermindernd, da abschreibbar. Ich weiss aber nicht, ob das noch so ist.
    Gruss aus Maceió
    Thomas
    Ferienwohnungen in Maceió:
    www.maceio.at

  3. #9
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
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    Beiträge
    1.412

    Standard AW: "Abstauben in Rio de Janeiro"

    hehe... die Landwirtschaft hat gerade kurze Verschnaufpause, zur Abwechslung sind mal Stahlkonzerne dran!

  4. #10
    Erfahrener Benutzer
    Themenstarter

    Registriert seit
    04.01.2007
    Beiträge
    995

    Standard AW: "Abstauben in Rio de Janeiro"

    Zitat Zitat von Tiradentes Beitrag anzeigen
    Der Normalbürger stößt nur selten auf solche Seiten, dank Peter hab ich mal dort gestöbert und ....
    Bei der Google-Suche nach dem Stichwort "Kobra" (dachte an die Schlange) war diese Seite an 3. Stelle gelistet.
    Den Inhalt hatte ich nur überflogen, weil das Stahlwerk schon öfters im Gespräch war im Forum.

    Salut Shroeder (auch nur Normalbürger)

    Au royaume des aveugles, les borgnes sont rois.

  5. #11
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    19.07.2006
    Ort
    Belo Horizonte
    Beiträge
    2.588

    Standard AW: "Abstauben in Rio de Janeiro"

    Zitat Zitat von Cheesytom Beitrag anzeigen
    Aber wie schon erwaehnt: ch kann nicht beurteilen, ob Thyssen sich mit lascheren Umweltauflagen oder entsprechenden Korruptionszahlungen ueberdurchschnittlich bereichern wollte oder eben nicht. Solche Zahlungen im Ausland waren ja mal steuermindernd, da abschreibbar. Ich weiss aber nicht, ob das noch so ist.
    Nein (leider) nicht mehr. Da gab es internationalen Druck auf D so wie jetzt auf die CH wegen der Beihilfe zur "Steuerhinterziehung".

    Das Fass zum Überlaufen brauchte aber tatsächlich das besagte Unternehmen, die hatten für ein 1,2 Mrd. Rüstungsgeschäft etwas 360 Mio Schmiergelder gezahlt und steuerlich mindernd gelten gemacht. Dann kam aber raus, dass von den Schmiergeldern ca. 200 Mio wieder in die schwarzen Kassen der Firma zurückgeflossen sind. Verurteilt wurden die Manager nicht wegen der Schmiergeldzahlungen sondern wegen der Steuerhinterziehung.
    Anschließend nannte man die Anschaffug der Schmiergeldabschreibung dann auch eine "Lex-Thyssen".

    Als Thyssen die Pläne für ein Stahlwerk in Brasilien ankündigte haben sich Sao Paulo, Minas Gerais und Rio um den Standort gerissen und sich mit Sondervergünstigungen und Steuergeschenken angebiedert. Rio hat dann gewonnen.
    Ein Großteil der Investitionsgüter wurde steuerfrei unter anderem aus Europa und China importiert. Lediglich der Beton-Bau und die Montageleistungen kamen aus Brasilien und die haben dann zu der monatelangen Bauverzögerung geführt.

    Das heute die Politiker in Brasilien so tun, als wäre das Werk absolut unerwünscht, ist für mich unverständlich, könnte aber so sein wie Tom das ja auch andeutete: die Politiker haben gewechselt und die neuen haben nicht genug partizipiert, da Thyssen jetzt sparen muss.

    Ich hab's woanders geschrieben, das Werk ist sauberer als alle (die meisten) anderen brasilianischen Stahlwerke, weil heute auch Brasilien moderne Anforderungen für Neubauten an den Umweltschutz stellt und viele deutsche Standards auf Forderung von Thyssen berücksichtigt worden sind. Wir mussten z.B, außer den brasilianischen Anfoderungen auch die Werksstandards der ebenfalls von uns gebauten Hochofenanlagen in Duisburg Hamborn berücksichtigen, die zwar in Deutschland, aber in Brasilien noch lange nicht Gesetz sind.

    Gruß
    Tiradentes
    Geändert von Tiradentes (18. April 2012 um 23:13 Uhr)

  6. #12
    Erfahrener Benutzer
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    Belo Horizonte
    Beiträge
    2.588

    Standard AW: "Abstauben in Rio de Janeiro"

    Hab den Link von sfio mal hierher kopiert

    DasErste Mediathek [ARD] - Reportage / Dokumentation - Markt oder Moral

    Der Bericht ist natürlich ein starkes Stück. Ein Beispiel dafür, dass es halt immer mehrere Wahrheiten gibt und es darauf ankommt, was der Autor damit erreichen will. Dieser passt, obwohl ohne Hetze in die Linie der wohlhabenden oder besser verdienenden Ökologen, die halt in einer sauberen und gerechten (damit für sie selber sicheren) Welt leben können, die sie jetzt endlich genießen wollen.

    Da ich selber an dem Bau solcher umweltzerstörender Mordmaschinen, die die Menschheit bedrohen (Blüm: hat da was von einem Weltraumgefährt Erde gefaselt) mitarbeite und mit Industriealisierung meine Brötchen verdiene, will ich das nicht ganz unwidersprochen lassen.

    Die Vorfälle sind alle bekannt und liegen in der Vergangenheit zur Zeit der ersten Inbetriebnahme des Werkes und damit schon einiges zurück. Damals wurden Untersuchungen und Strafbefehle erlassen und das Hauptproblem, diese Grafitausschüttung wurde abgestellt. Für die direkten Schäden, Verschmutzungen und Reinigungsaufwand wurde bezahlt.

    Die jetzigen Vorwürfe, dass der Betrieb des Stahlwerks permanente Gesundheitsbeeinträchtigung bei breiten Bevölkerungsschichten hervorruft, ist schon absurd. Stahlherstellung ist keine neue Technik, die funktioniert in Brasilien genauso wie in Deutschland und Indien oder sonst wo, bei TKCSA weil modern, ein wenig sauberer. Außer der temporären Grafit-Emission hat dieses Institut (Stiftung Carlos Chargas, deren Zentralgebäude ist übrigens einen Besuch wert, aber auch durch Industriespenden renoviert) noch viele weitere Stoffe, das ein Stahlwerk emittiert gefunden. Stimmt sicher. Ich wundere mich nur dass die Leute in Duisburg-Hamborn (ich bin Duisburger), Dortmund, Dillingen oder Bremen nicht alle schon ausgestorben sind. Ja, die haben sich daran in Jahrhunderten dran gewöhnt, aber das kann nicht sein, unsere türkischen Gastarbeiter haben es auch ohne Gewöhnung überlebt.

    Wie gesagt, ist es Vorschrift, die Emissionen so gering wie möglich zu halten, aber gegen 0 geht es nicht, sonst gibt es keine industrielle Produktion mehr, keine Chemie, kein Plastik, keine Agrarwirtschaft. Dann muss eben wieder vor der eigenen Strohhütte gedengelt werden und mit Mist gedüngt werden.

    Viele zweifelhafte und falsche Behauptungen, die im Bericht erst mal (wieder) aufgestellt werden, sind in der Zwischenzeit längst als falsch und überholt bekannt. Der Film stellt da einen Wissenstand aus der Zeit kurz nach dem Auftauchen der Emissionen da.
    Sehr schön ist auch die Aussage einer Patientin, dass die Ärzte die ihr Kind und andere behandeln, ihr keine Diagnose geben, also alle Ärzte aus der Gegend sind Teil einer großen Verschwörung, von Thyssen arrangiert. Schön auch die gezeigt Schnitt-Röntgenaufnahme.
    Wenn ich die hygienischen Verhältnisse in Santa Cruz sehe, hätte ich wohl einige andere mögliche Ansatzpunkte für Erkrankungen.

    Das ansteigen der Kriminalität und der Banden in der Gegend hat uns Lemi mal erklärt und das hängst mit der Vertreibung der Kommandos aus den Zentrums-Favelas zusammen, die sich dort angesiedelt haben.

    Und sicher machen sich diese Gruppen, die gegen das Werk agitieren in der eigenen Gegend nicht nur beliebt. Ein Großteil der Arbeiter wohnen inzwischen da, haben Brot und auskommen und sind es leid, dauernd von Produktionsbegrenzungen, Teilstillegung bis hin zur Schließung des Werks zu hören. Die sind inzwischen stolz auf ihr Werk und arbeiten für ihr Geld. Die sehen all die Leute, die jetzt Schadensersatz, Unterstützung und sonstige Zuwendungen fordern, mit sehr mißtrauischen Augen. Die wollen endlich Ruhe haben und nicht als Mittäter und Thyssenbüttel verschriehen werden. Da spielt viel Neid eine Rolle. Santa Cruz war früher auch kein Paradies und die Bucht von Itaguay keine Badestrand. Dort ist die riesige Erz-Verladestation der Vale und ein weiteres Stahlwerk der Gerdau Gruppe.

    Stark finde ich den Zusammenhang, den der Film mit neuen deutschen Haftungsregelungen für deutsche Firmen im Ausland und einer zukünftigen Möglichkeit, die deutschen Mütter dieser Firmen vor deutschen Gerichten nach deutschen Standards zu verklagen. Das ist so absurd und würde die Wirtschaft revolutionieren.
    Verlieren würden alle, Indien, Brasilien etc., weil unter den neuen Umständen niemand im Ausland investieren und produzieren würde und wir, weil dadurch die Produkte so teuer würden, dass sich nur noch Reiche ein wenig Luxus leisten könnten. Aber die junge Dame von Germanwatch, die da im Brüssel "unsere" Interessen vertritt, kann sich diese Produkte dann sicher leisten.
    Für was hab ich meine Kinder erzogen und studieren lassen, dafür....

    Und zum Abschluss: wegen der Flußumleitung gibt es jetzt in Santa Cruz Überschwemmung, aber nur bei Regen. Ich befürchte, dass Thyssen und andere Deutsche Firmen auch für die anderen Überschwemmungen in Rio, Sao Paulo, Petropolis oder sonst wo verantwortlich sind, ist alles eine Verschwörung, der Vorsitzende des Fischervereins hatte ja schon einen richtigen Hass aug Deutsche.

    Die Fischer in der Bucht tun mir leid. Ich hab den Fischerort da unten 8 Jahre vor dem Werksbau besucht, war ein Zufall, hab aber alte Fotos gefunden. Die waren damals schon arm dran, alte Boote, einfache Netze, schlechter Fang, Favela-Hütten; nur hatten sie damals keine "reichen Nachbarn" und sind nun von der positiven Entwicklung in der Gegend abgekoppelt. Ihren Ärger darüber kann ich verstehen. Aber das ist ein Problem der Regierung, dort nach der Standortwahl für einen entsprechenden Ausgleich zu sorgen und die Fischerei zu fördern hätte. Da wird so wenig gemacht, dass Brasilien mit 8.000 km Küste aufgrund der veralteten Fischereitechnik Fisch importieren muss, aus Ländern, die vor Brasiliens Küste fischen. Bedarf ist da genug.

    So genug Lobbyarbeit für Thyssen geliefert, ob Onkel Eckehard es mir danken wird, aber der ist ja jetzt in Rente.

    Gruß
    Tiradentes
    Geändert von Tiradentes (19. April 2012 um 01:51 Uhr)

 

 
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