Ein Freund von mir hatte gestern Abend offensichtlich einen Herzinfakt.
Nach ca. 1 Stunde! kam die SAMU (Serviço de Atendimento Móvel), die ihn,nach Stabilisierung vor Ort in die dafuer vorgesehene SUS-Klinik gebracht hat, eine fuer ca. 1 Million Einwohnern.
Seit gestern liegt er dort in der "Zona Vermelha". Die erste Auskunft lautete an seine Freundin, dass es heute um 10 Nachricht gaebe. Ein anderer Kumpel und sie waren dort und konnten ihn nur auf Entfernung sehen, wie er in einem Vielbettraum, ohne EKG-Anschluss, ohne Ventilator, geschweige denn Klimaanlage, in den Klamotten lag, die er am Tag vorher anhatte. Die Freundin hatte Anziehsachen und Anderes mitgebracht, aber die lapidare Auskunft war, dass nichts in diese Zone reinkaeme. Kontakt war absolut unmoeglich. Nach Auskunft sollte es um 16 Uhr neue Auskuenfte geben.
In unserer Beratungsrunde habe ich rumtelefoniert, was ihn denn eine private Einrichtung kosten wuerde. Dazu habe ich die 24-Stunden-Klinik meiner lokalen, relativ preisguenstigen KrVs. angerufen, um zu fragen, was er zahlen muesste, worauf mir die Telefonlady mitteilte, dass es dort keine UTI-Plaetze gaebe. Also fragte ich sie, was sie denn mit mir, als Krankenversicherungskunden machen wuerden, wenn ich denn einen Herzinfakt gehabt haette, worauf sie mir die Vertragsklinik nannte.
Der Anruf dort war mehr als ernuechternd:
R$ 4.000,00 pro Tag kostet ein UTI-Platz. Die Aufnahmeuntersuchung haette "nur" R$ 150,00 gekostet und ein "normales" Zimmer ca. R$ 800,00 pro Tag, was aber abhaengig waere, von den noetigen Massnahmen (Labor, Medikamente, etc.). Es war also das Minimum dort.
Daraufhin habe ich wieder in "meiner" Klinik angerufen und die erste Untersuchung (Allgemeinmediziner) kostet R$ 50,00 und auf die Frage, was denn ein Aufenthalt dort kostet legte sich der Ansprechpartner nicht fest, sondern meinte, dass sie mit R$ 1.000,00 Kaution arbeiten und ggfs. was zurueckzahlen oder einen Mehrbedarf einfordern wuerden, cash, ohne Stundung, wenn noetig.
Jep Leute, ich predige immer schon: Wer sich in Alagoas auf die SUS verlaesst, vereckt im Zweifel in der Warteschlange.
Rechnet nur mal ein wenig, was er noch braucht, sobald die in der Unfallklinik seinen Platz raeumen:
Eine zwischen R$ 500,00 und R$ 1.000,00 ligende Untersuchung, um zu klaeren, ob er evtl. einen Beipass braucht oder einen Schrittmacher und welche Medikamente, die er auch privat stemmen muss.
Wenn jemand die Koste einer der o.g. Operationen wissen moechte, kann ich mich erkundigen, aber ich wette jetzt schon blind, dass der Aufenthalt, die weiteren Untersuchungen vor der OP, die OP und die Nachsorge locker mal die R$ 50.000,00 ueberschreiten kann.
Deshgalb Supergau.
Nur zur Ergaenzung:
Mein nortwegischer Kumpel (3 Monate als Tourist) hat vor ca. 4 Wochen in einem "Unfall" aus ca. 30 cm eine Spingada 12-Ladung in den Oberschenkel bekommen. Ich bin mit einem Privatfahrzeug als Begleite in die o.g. Klinik (da kommt nur einer als Begleitung rein) und es war Horror pur.
Er wurde in der Hand und im Oberschenkel getroffen. Der erste Arzt hat Roentgenaufnahmen verordnet und was machen die? Beides nur in einer Ebene (ich hab beim Militaer im Bundeswehrkranklenhaus Vorzimmer Orthopaedische Ambulanz als Sanitoeter gesessen und es muessen immer 2 Ebenen gemacht werden).
Ich konnte also eine Kugel im Oberschenkel sehen (von oben), zum Glueck weit genug vom Knochen entfernt und kein wichtiges Blutsgefaess war getroffen (Hand war relativ harmlos; 1 Durchschuss Mittelfinger Endglied und kleinere Verletzungen am Daumen und Ringfinger), aber nicht, wie tief sie unter der Haut steckte.
Aus der groessten Wunde am Oberschenkel (ca. 3 * 5 cm) hat ihm der Arzt dann ein ziemlich grosses Stoffstueck entfernt, was oberflaechlich zu sehen war. Danach Verband dort und bei 3 kleineren Loechern oberhalb (unter einem steckte die Kugeln der Schrotflinte, Grobkorn, auf dem Bild ca. 3 mm Durchmesser). Jep, und dann ging es nach Hause. Ich hatte den Arzt noch gefragt, was wir weiter machen sollten und welche Medikamente (natuerlich war es Antibiotika und Antiinflamatoria). Mit neutraler Seife 2-Mal taeglich saeubern und Verbandswechsel. Na ja, das haben wir dann 10 Tage gemacht und es sah auch garnicht so schlecht aus, aber ab Zwischenlandung Salvador hatte er nur noch Bitteres zu berichten:
Er hat starkes Fiber bekommen, wurde in Norwegen operiert, wo neben der Kugel noch Stoffreste rauskamen und wurde wieder unter Antibiotika gesetz. Zum Glueck ging nach ca. 4 Tagen das Fieber weg und anscheinend entwickeln sich die Wunden gut. Die grosse muste umfangreich "gesaeubert" werden.
Zusammenfassung: Jeder, der ohne Versicherung Reisen durch Brasilien unternimmt oder ohne Versicherung auf seine AE warten will ist ein "Dangerfreak". Jeder der meint sich auf die SUS verlassen zu koennen ist ein Gluecksspieler oder Boersenzocker.



8Danke
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