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Eintrag: Heitor Villa-Lobos

  1. Eingetragen von
    Christian.Thiessen
    Eingetragen am
    29. July 2009 11:50

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    Heitor Villa-Lobos (* 5. März 1887 in Rio de Janeiro; † 17. November 1959 ebenda) war ein brasilianischer Komponist und Dirigent. Er ist der populärste und auch international bekannteste Komponist Klassischer Musik seines Landes.



    Leben Villa-Lobos erhielt mit sechs Jahren ersten musikalischen Unterricht bei seinem Vater Raul (1862-1899), einem Bibliothekar an der brasilianischen Nationalbibliothek und Laienmusiker, der ihn das Cellospiel lehrte. Der Cellounterricht wurde später bei dem Cellisten Benno Niederberger fortgeführt. Bei Reisen seiner Familie ins Landesinnere lernte er früh die brasilianische Folklore kennen. In Rio de Janeiro waren es die Choros, die seine Aufmerksamkeit fanden, ein typisch brasilianisches Musikgenre, das von den Chorões genannten lokalen Ensembles für Unterhaltungsmusik gespielt wurde. Nach dem frühen Tode seines Vaters arbeitete er als Cellospieler in Kaffeehäusern und an kleinen Theatern, um 1900 entstanden erste Kompositionen. I
    Die Meinungen über die Reisen des Komponisten durch Brasilien und angrenzenden Staaten gehen auseinander, vor allem da Villa-Lobos selbst widersprüchliche und sehr unwahrscheinliche Angaben macht. Sicher ist, dass er durch seine Mitwirkung bei Wandertheatern einige nordöstliche Bundesstaaten Brasiliens besuchte und dort die vollständig andere Atmosphäre des ländlichen Brasiliens kennenle rnte. Im Gegensatz zu landläufiger Meinung führte Villa-Lobos auf diesen Reisen aber keine systematische Sammlung von Volksliedern durch. Das wenige originale Material, das der Komponist in späteren Werken verwendet, stammt wahrscheinlich aus der Sammlung des Forschers E. Roquette-Pinto oder ist anderen Publikationen entnommen. Seine eher unzulänglichen musiktheoretischen Kenntnisse versuchte Villa-Lobos durch Privatunterricht bei Agnello Franca zu erweitern.
    Ein einschneidendes Ereignis für Villa-Lobos' musikalische Entwicklung war 1913 der Besuch der Ballets Russes unter der Leitung von Fokine, durch den er erstmals mit den französischen Impressionisten und verschiedenen russischen Komponisten in Berührung kam. Ähnlich prägend war der erneute Besuch des Ballets im Jahre 1917, bei dem Werke von Strawinsky auf dem Programm standen. Die erste öffentliche Aufführung seiner Kompositionen fand im Jahre 1915 statt. Einen begeisterten Befürworter seiner Musik fand er in Arthur Rubinstein, der 1917 während einer Tournee in Brasilien die Musik von Villa-Lobos hörte. Eine Freundschaft entwickelte sich auch zu Darius Milhaud, der sich zu dieser Zeit in Brasilien aufhielt.
    1923 verbrachte Villa-Lobos mit einem Staatsstipendium ein Jahr in Paris, wo er wichtige neue Eindrücke aufnahm und, zurück in seinem Heimatland, einige seiner bedeutendsten Werke schrieb. Von 1927 bis 1930 folgte ein zweiter Parisaufenthalt. In dieser Zeit erreichte er als erster lateinamerikanischer Komponist auch internationale Bekanntheit.
    Nach der Rückkehr nach Brasilien arbeitete er für die Regierung Pläne für den Musikunterricht aus. Damit begann auch seine Karriere als bedeutender Musikpädagoge, der die Musikerziehung in seinem Land nachhaltig prägte.
    Ein weiterer Schritt zu internationalem Erfolg war der erste Besuch des Komponisten in den USA anläßlich eines Konzerts mit dem Janssen Symphony Orchestra in Los Angeles im November 1944. Ab da hielt sich Villa-Lobos bis zu seinem Tod jedes Jahr in den USA auf, wo er als Gastdirigent die renommiertesten Orchester leitete. In dieser Zeit wurde der Großteil seiner Werke aufgenommen, u.a. mit dem Louisville Symphony Orchestra unter Robert Whitney. Für dieses Orchester schrieb Villa-Lobos die Orchesterwerke "Erosao" und "Alvorada na floresta tropical", die 1951 und 1954 uraufgeführt wurden.
    1959 verstarb Villa-Lobos an Krebs. Schon zwei nach seinem Tod wurden alle seine Werke im Museum Villa-Lobos, das am 22. Juni 1961 in Rio de Janeiro gegründet wurde, gesammelt und aufbewahrt.

    Musik
    Villa-Lobos hat mehr als 2000 Kompositionen in allen traditionellen Formen (Oper, Orchestermusik, Kammermusik, Vokalmusik) geschrieben, unter anderem zwölf Sinfonien, fünf Klavier-, zwei Cellokonzerte und je ein Gitarren-, Harfen- und Mundharmonikakonzert, 17 Streichquartette und drei Klaviertrios. Seine Werke für Gitarre gehören zum Standardrepertoire für Solisten dieses Instruments. Am bekanntesten und erfolgreichsten sind die 14 Choros und neun Bachianas Brasileiras genannten Werke für verschiedene Besetzungen, in welchen die Inspiration durch brasilianische Folklore direkt zum Ausdruck kommt. In den Bachianas Brasileiras verarbeitete Villa-Lobos brasilianische Volksmelodien in Suiten im polyphonen Stil Johann Sebastian Bachs, der seit seiner Jugend eines seiner bedeutendsten musikalischen Vorbilder war. Weniger bekannt sind die Werke, die stärker in der europäischen Tradition stehen und in denen musikalische Vorbilder aus Romantik, Impressionismus und Neoklassizismus anklingen.

    Werke

    Orchester-Werke

    12 Symphonien, u.a.

    • Nr. 1 O Imprevisto (1916)
    • Nr. 2 Ascenção (Auferstehung)
    • Nr. 3 Guerra (Krieg)(1919)
    • Nr. 4 Vitória (Sieg)
    • Nr. 5 Paz (Rudolph)
    • Nr. 6 Montanhas do Brasil (Die Berge Brasiliens)
    • Nr. 7 America (1945)
    • Nr. 10 Sumé pater patruim (1952)

    Symphonische Dichtungen, u.a.

    • Amazonas (1917)
    • Naufrágio de Kleonikos (1917)
    • Caixinha de boas festas (1932)
    • Alvorada Na Floresta Tropical (Dawn in a tropical forest)(1953)
    • Erosão. Origem do rio Amazonas (1993 21.0
    • Odisséia de uma raça (1953)

    Konzerte für Soloinstrument und Orchester

    • 2 Cellokonzerte
    • Gitarrenkonzert (1951)
    • Konzert für Mundharmonika (1955)
    • Konzert für Harfe (1953)
    • 2 Violinkonzerte
    • 5 Konzerte für Klavier und Orchester
    • Fantasie "Mômoprecóce" für Klavier und Orchester (1929)

    Suite Características für Streichorchester (1915)
    16 Chôros (für verschiedene Besetzungen)
    9 Bachianas brasileiras(1930-45) (für verschiedene Besetzungen)

    Kammermusik
    • Sonata Fantasia No. 1 (Désespérance) (1912/13)
    • 4 Violinsonaten
    • 4 Klaviertrios
    • Bläsertrio für Oboe, Klarinette und Fagott (1921)
    • 17 Streichquartette
    • Bläserquartett
    • Bläserquintett "Chôros"
    • Quintett für Flöte, Violine, Viola, Cello und Harfe
    • Mystisches Sextett
    • "Corrupio" für Fagott und Streichquartett

    Klaviermusik
    • Cirandas
    • Cirandinhas
    • "Prole do Bebê" Nr. 1 (191
    • Dancas Características Africanas (1914/15)
    • Suíte Infantil Nr. 1 (1912)

    Gitarrenmusik
    • 12 Études,
    • 5 Préludes
    • Suite populaire brésilienne

    Vokal- und Choralmusik
    • Chansons typiques brésiliennes (1926)
    • Serestas
    • Nonetto für Chor und Ensemble (1923)
    • Bendita sabedoria für Chor
    • Miniaturas für Stimme und Klavier (1917)

    Bühnenwerke
    • 4 Suiten nach der Filmmusik "Descobrimento do Brasil" (1937)
    • 2 Opern ("Izath" und "Yerma" (1955/56))
    • "Magdalena" (1947)
    • 4 Ballete (darunter "Kaiser Jones and Uirapurú")

    Literatur
    • Domingo Alzugaray/ Cátia Alzugaray: A vida dos grandes brasileiros: Villa-Lobos. São Paulo, Brasilien : Grupo de Comunicação Três, 2001, ISBN 85-7368-627-8
    • David P. Appleby: Heitor Villa-Lobos: Bio-bibliography. Westport, Conn. 1982
    • David P. Appleby:Heitor Villa-Lobos. A life (1887-1959). Scarecrow Press, Lanham, Md. 2002, ISBN 0-8108-4149-5.
    • Joaquim Assis/ Viana de Zelito Viana: Villa-Lobos : uma vida de paixão. Rio de Janeiro : Revan, 2000, ISBN 85-7106-201-3
    • Gerard Béhague: Heitor Villa-Lobos. The search of Brazil's musical soul. University of Texas, Austin, Tex. 1994, ISBN 0-292-70823-8.
    • Anais Fléchet: Villa-Lobos à Paris : un écho musical du Brésil, Paris [u.a.]. L'Harmattan, 2004
    • Fleitas-González: A Study of Selected Choral Works of Heitor Villa-Lobos, DMA dissertation, University of Texas at Austin, 1996
    • Garcia, Thomas G.: The "choro", the guitar and Villa-Lobos. In: Luso-Brazilian review. - Madison, Wis , Vol. 34 (1997), Nr. 1, S. 57-66
    • Paulo Renato Guérios: Heitor Villa-Lobos : o caminho sinuoso da predestinação. Rio de Janeiro : Ed. FGV, Fundação Getulio Vargas, 2003, ISBN 85-225-0429-6
    • Maria Maia: Villa-Lobos : alma brasileira. Rio de Janeiro : Contraponto Ed. ; Petrobras, 2000, ISBN 85-85910-31-3
    • Vasco Mariz: Heitor Villa-Lobos. Compositor brasileiro. Zahar, Rio de Janeiro 1983
    • Ermelinda A. Paz: Villa-Lobos e a música popular brasileira : uma visão sem preconceito. Rio de Janeiro : Eletrobrás, 2004, ISBN 85-90418-91-X
    • Humberto Mauro/ Eduardo Morettin: Cine, música e historia : Heitor Villa-Lobos y "O descobrimento do Brasil" (1937), in: Filmoteca <Valencia> : Archivos de la Filmoteca // Filmoteca de la Generalitat Valenciana . - Valencia, . - Bd. 41.2002, S. 70-83
    • Ermelinda A. Paz: Sôdade do cordão : Villa-Lobos. Rio de Janeiro : ELF, 2000, ISBN 85-87913-01-8
    • Lisa M. Peppercorn: Heitor Villa-Lobos. Leben und Werk des brasilianischen Komponisten. Atlantis-Verlag, Zürich 1972, ISBN 3-7611-0362-X.
    • Lisa M. Peppercorn: Villa-Lobos. Collected Studies. Scolar Press, Aldershot 1992, ISBN 0-85967-906-3.
    • Lisa M. Peppercorn (Hrsg.): The Villa-Lobos Letters (Musicians in Letters; 1). Toccata Press, Kingston-upon-Thames 1994, ISBN 0-907689-28-0.
    • Lisa M. Peppercorn: Villa-Lobos, the music. An analysis of his style. KAhn & Averill, London 1991, ISBN 1-87108-215-3.
    • Lisa M. Peppercorn: The world of Villa-Lobos. In pictures and documents. Scolar Press, Aldershot 1996, ISBN 1-85928-261-X.
    • Heriqueta Rebuá de Mattos: Die Werke für Klavier von Heitor Villa-Lobos. Synkretismus europäischer und lateinamerikanischer Elemente und Kontrasteffekte. Utz, München 2001, ISBN 3-8316-0053-8.
    • Loly Amaro de Souza: Heitor Villa-Lobos. São Paulo : Ed. Moderna, 2001, ISBN 85-16-02755-4
    • Eero Tarasti: Heitor Villa-Lobos. The life and works 1887-1959. MacFarland, Jefferson, N.C. 1995, ISBN 0-7864-0013-7.
    • Graham Wade: Annäherung an Choros No. 1 von Heitor Villa-Lobos. In: Gitarre & Laute. Jg. 20/1998. Heft 1. S. 15 - 19
    • Ahygara Iacyra Villa-Lobos da Silva Jardim Waissmann: Villa-Lobos em família. Companhia Brasileira de Artes Gráficas, Rio de Janeiro 1990.
    • Simon Wright: Villa-Lobos (Oxford studies of composers; 25). Oxford University Press, Oxford 1992, ISBN 0-19-315476-5.
    • Gerd Zacher: Die Gitarre im Schaffen von Heitor Villa-Lobos : Aspekte ihrer Bedeutung für die brasilianische Nationalmusik und für die Internationalisierung der Musik im 20. Jahrhundert. Potsdam Univ. Diss. 2005