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Die Flagge von Brasilien

 Als Pedro Álvares Cabral am 22. April 1500 von Brasilien entdeckte, segelten seine Schiffe unter der portugiesischen Flagge. Erst vier Jahrhunderte später hisste man in Brasilien eine andere Flagge.

 

Die Bandeira Brasileira wurde erst 1889 entworfen und zur Nationalflagge erklärt, kurz nach Ausrufung der Republik. Sie wird als eine der schönsten Fahnen der Welt angesehen. Ein Kunstwerk, das buchstäblich über Nacht geschaffen wurde. Der Künstler Décio Villares gestaltete die Flagge nach genauen Anweisungen der Militärs. Sie wollten keine Nachahmung der amerikanischen Stars and Stripes, sondern eine Fahne, die die Ideen der brasilianischen Republik symbolisiert.

Unsere brasilianische Flagge kennzeichnet wie nur wenige andere so etwas wie das Wesen des riesigen Vielvölkerstaates. Und so kommt es auch, dass die Bandeira Brasileira alle politischen Szenenwechsel überstanden hat. Sie kann wie ein großer Reiseführer angesehen werden. Jedes Detail bedeutet etwas und hat mit Brasilien zu tun. Jedoch nicht oder wenig mit dem wirklichen Brasilien, sondern vielmehr mit einem Brasilien der Träume; mit jenem Brasilien, das das "Land der Zukunft" sein will. Die Flagge, die in einer Nacht entstanden ist, kann als das Resultat einer kollektiven Traumarbeit beschrieben werden.

Dieser Traum fängt beim zentralen Motiv an: der nächtliche Sternenhimmel ist ein Schnappschuss – die Momentaufnahme der Nacht über Rio de Janeiro am Morgen des 15. November zwischen sechs und sieben Uhr morgens. Die Stunde der Republik wiederholt sich also jedes Jahr in dem Moment, in dem dieses Himmelsereignis betrachtet werden kann. Der Himmel der Flagge ist jedoch spiegelverkehrt und auch sonst idealisiert. In Wirklichkeit gibt es in dem Bereich des abgebildeten Nachthimmels viel mehr Sterne zu sehen.

Im Mittelpunkt steht das Sternbild des Kreuz des Südens. Es repräsentiert das Schicksal und ist wegen seiner Bedeutung für die Navigation eng mit der Geschichte der Entdeckung Brasiliens verbunden. Spanische und portugiesische Seefahrer nutzten es zur Orientierung bei Nacht. Agostinho Royer bestimmte im Jahr 1679 das Sternbild zum ersten Mal und wegen seiner Lobpreisung in den Luisaden des portugiesischen Dichters Camões gilt es als "portugiesische Konstellation". In der brasilianischen Flagge symbolisiert es die Wurzeln des Landes in der portugiesischen Kultur und steht gleichzeitig für das Gefühl der Sehnsucht, der saudade, das die portugiesischen Seefahrer während ihrer Reise nach Brasilien litten.

Im Laufe der Zeit war es für sie nicht mehr nur Zeichen zur Orientierung, sondern wurde immer stärker zum eigentlichen Inbegriff ihrer Suche nach fernen Horizonten. Deshalb steht es im Zentrum der brasilianischen Flagge, als Symbol des Traums. Das Kreuz des Südens ist die sehnsüchtige Ferne, es ist ein Zeichen des Geistes der Abenteurer.